Das runde Piktogramm mit einem mintgrünen Hintergrund zeigt eine Illustration eines menschlichen Oberkörpers. Dabei ist die rechte Seite von Muskeln durchzogen, die rechte Seite zeigt das Skelett.
Bandscheibenvorfall

Fast jeder Mensch leidet hin und wieder unter Rückenschmerzen. Rund 20 Millionen Deutsche sind regelmäßig davon betroffen. Strahlt der Schmerz ins Bein oder den Arm aus und vergeht nicht innerhalb weniger Tage von allein, kann es sich um einen Bandscheibenvorfall handeln. Dieser gehört unbedingt in ärztliche Behandlung, da Nerven irreparabel geschädigt werden können. 

Symptome eines Bandscheibenvorfalls

Ein Bandscheibenvorfall ist häufig durch einen plötzlich „einschießenden“ Schmerz gekennzeichnet. Wo dieser auftritt, richtet sich danach, welche Bandscheibe betroffen ist und auf welchen Nerv sie drückt. 

Ein Bandscheibenvorfall im Bereich der Halswirbelsäule verursacht Nackenschmerzen, die über den Arm bis in die Hand ausstrahlen können. Bandscheibenvorfälle im Lendenwirbelbereich sind die Hauptursache für Ischias-Schmerzen, die zum Teil über das Gesäß bis ins Bein oder sogar in den Fuß ausstrahlen. Der eher seltene Bandscheibenvorfall im Bereich der Brustwirbelsäule bewirkt heftige Schmerzen im oberen Rücken, die bis in den Brustbereich spürbar sind. 

Zu den möglichen Symptomen von Bandscheibenvorfällen zählen außerdem: 

  • verhärtete Muskulatur im betroffenen Bereich der Wirbelsäule 
  • Muskelausfälle und Lähmungserscheinungen in den Gliedmaßen 
  • gestörte Gefühls- und Schmerzwahrnehmungen wie Kribbeln oder Taubheitsgefühle 
  • Harn- oder Stuhlinkontinenz 
  • Störung der Sexualfunktion (Erektile Dysfunktion/ Erektionsprobleme) 

Ursachen von Bandscheibenvorfall

Das Bild zeigt den Rücken einer Frau, die sich vor Schmerz die Bandscheiben hält.
Zu den häufigsten Ursachen eines Bandscheibenvorfalls gehören Übergewicht, Haltungsfehler, schwere körperliche Arbeit, ruckartige Bewegungen und Sportarten, bei denen die Wirbelsäule erschüttert (zum Beispiel Reiten, Mountainbiking) oder in sich verdreht (Tennis, Squash) wird. | © Cineberg

Mehrheitlich ist der Bandscheibenvorfall die Folge von Verschleiß. Im Laufe der Zeit nimmt die Elastizität der Bandscheiben ab. Grund hierfür ist die schon ab dem 20. Lebensjahr nachlassende Fähigkeit ihres Gallertkerns, Flüssigkeit zu speichern. Wird dann auch noch ihr schützender Faserring rissig und durchlässig, kann der Kern austreten. Je weiter er zwischen den Wirbelkörpern hervorquillt, desto stärker drückt er auf die angrenzende Nervenwurzel oder das Rückenmark. Diese werden dadurch gereizt und senden vermehrt Schmerzsignale an das Gehirn.  

Weitere mögliche Auslöser für Bandscheibenvorfälle sind: 

  • Haltungsfehler 
  • Fehlbelastungen 
  • ruckartige Bewegungen 
  • Sportarten, bei denen die Wirbelsäule in sich verdreht oder erschüttert wird 
  • schwere körperliche Arbeit 
  • Übergewicht  

Seltener sind Verletzungen oder angeborene Fehlstellungen für Bandscheibenvorfälle verantwortlich. Begünstigt werden können diese durch eine anlagebedingte Bindegewebsschwäche oder eine Schwangerschaft. Das Risiko für einen Bandscheibenvorfall steigt außerdem durch ungenügend trainierte Rücken-, Bauch- und Gesäßmuskeln, weil die Wirbelsäule nicht ausreichend gestützt wird. 

Behandlung eines Bandscheibenvorfalls

Fast 90 Prozent aller Bandscheibenvorfälle lassen sich durch eine konservative Therapie beheben. Diese besteht aus zwei Grundpfeilern: 

  • Schmerzlinderung mithilfe von Wärme und Medikamenten und 
  • Normalisierung der Rückenmuskulatur durch Physiotherapie 

Das vorrangige Ziel der Behandlung besteht darin, dass sich die Betroffenen wieder schmerzfrei bewegen können. Deshalb bekommen sie schmerzstillende Medikamente, die sie regelmäßig und konsequent einnehmen sollten. Das verhindert, dass sie aufgrund der Schmerzen in eine Schonhaltung verfallen. Durch diese könnte sich die Rückenmuskulatur zusätzlich verspannen, wodurch sich die Beschwerden verschlimmern würden. Bei heftigen Rückenschmerzen können der Arzt oder die Ärztin auch örtlich betäubende Präparate oder Kortison spritzen. 

Wärme ist ebenfalls hilfreich. Indem sie die Durchblutung in der Haut anregt, trägt sie zur Lockerung der versteiften Rückenmuskulatur bei. Als Wärmeanwendungen kommen beispielsweise Fango- und Moorpackungen, Rotlicht, aber auch warme Kleidung infrage. Zusätzlich empfiehlt sich häufig eine Stufenbettlagerung. Hierbei positioniert der:die liegende Patient:in die Beine auf einem würfelförmigen Kissen, während die Hüft- und Kniegelenke im rechten Winkel gebeugt sind. Das nimmt den Druck von den Nerven. 

Dass Bandscheiben-Geplagte sich nicht bewegen dürfen oder sogar das Bett hüten müssen, gilt als nicht mehr zeitgemäß. Stattdessen ist in den überwiegenden Fällen die sofortige Physiotherapie angezeigt, die auch als ambulante Rehabilitation durchführbar ist. 

Während der Therapiesitzungen bekommt der:die Patient:in Übungen gezeigt, die er:sie regelmäßig zu Hause machen sollte. Wer konsequent trainiert, fühlt sich in aller Regel schnell besser. Auch spezielle Bewegungstherapien wie Aquagymnastik und Massagen können helfen. 

Sport nach einem Bandscheibenvorfall 

Sportliche Aktivitäten können die Heilungschancen nach einem Bandscheibenvorfall verbessern. Welche Sportarten infrage kommen, sollten die Betroffenen mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin abklären. Tabu sind Disziplinen, die den Rücken oder die Bandscheiben belasten. 

Operationen nach einem Bandscheibenvorfall 

Ein operativer Eingriff ist nach einem Bandscheibenvorfall nur dann nötig, wenn: 

  • sich starke Schmerzen mit anderen Behandlungsmethoden nicht innerhalb von sechs Wochen ausreichend lindern lassen 
  • zunehmende Muskelschwäche oder deutliche Lähmungen vorliegen 
  • die Funktion der Blase oder des Darms beeinträchtigt ist

Bei der Operation entfernt der:die Chirurg:in meist Bandscheibengewebe, um die gereizten Nerven zu entlasten. Ebenfalls möglich ist das Einsetzen einer künstlichen Bandscheibe. Sind neben der Bandscheibe auch die Wirbelkörper geschädigt und ist dadurch die Wirbelsäule nicht mehr stabil, kann eine sogenannte Versteifungsoperation indiziert sein. Hierbei werden die an der Bandscheibe angrenzenden Wirbelkörper so miteinander verschraubt, dass sie fest in ihrer Position bleiben. 

Chirurgische Eingriffe können die Beschwerden längerfristig lindern, bergen aber auch Risiken. Im schlimmsten Fall sind die Schmerzen durch operationsbedingte Gewebe- und Nervenschädigungen sowie Verwachsungen und Narben anschließend größer als davor. 

Wie kann mir Doktor.de bei einem Bandscheibenvorfall helfen?

Du hast starke Rückenschmerzen, bist dir aber nicht sicher, ob es sich um einen Bandscheibenvorfall handelt? Oder wurde dir zu einer Bandscheiben-Operation geraten und du möchtest gern eine zweite Meinung hören? Unsere ausgewählten Ärzte und Ärztinnen stehen dir mit ihren Erfahrungen zur Seite und beraten dich umfassend. 

 

Quelleninformationen:

Dieser Text wurde von Mediziner:innen geprüft und entspricht medizinischen Leitlinien. 

Apotheken Umschau. 10.02.2017. Bandscheibenvorfall: Symptome, Diagnose, Therapie.

Dr. Cink, V. 17.12.2020. Bandscheibenvorfall: Zeit als wichtigster Faktor. Zentrum für Mobilität. 

Dr. med. Meier, U. o.J. Ursachen eines Bandscheibenvorfalls. Neurologen und Psychiater im Netz. 

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). 11.03.2020. Bandscheibenvorfall. Gesundheitsinformationen.de.

Moley, P.; 11.2020. Bandscheibenvorfall. MSD Manual – Ausgaben für Patienten. 

Letztes Update: 2022-08-26