Förnya recept
Pille danach

Pille vergessen? Das Kondom ist abgerutscht oder du hast die Befürchtung, dass durch einen Magen-Darm-Infekt die Pille nicht gewirkt hat? Verhütungspannen können schnell passieren. Eine Möglichkeit, auf eine solche Verhütungspanne zu reagieren, ist die Pille danach. Die Pille danach ist in Deutschland seit 2015 rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Wichtig zu erwähnen ist, dass die Pille danach ausschließlich für den Notfall eingesetzt werden darf und nicht als regelmäßiges Verhütungsmittel dienen sollte. In Deutschland sind zwei Pillen danach mit dem Hormon Levonorgestrel (LNG) und dem Wirkstoff Ulipristalacetet (UP) erhältlich.

Wann ist die Einnahme der Pille danach ratsam?  

Jede Frau im gebärfähigen Alter kann in die Situation kommen, in der sie eine Notfallverhütung benötigt, um eine mögliche ungewollte Schwangerschaft zu verhindern. Jede Frau hat das Recht selbst über ihren Körper zu entscheiden und sich gegen eine ungewollte Schwangerschaft zu entscheiden. Notfälle können unter anderem:  

  • Fehlende Verhütung  
  • Fehler bei der Anwendung von Verhütungsmitteln (abgerutschtes/ gerissenes Kondom, vergessene Pilleneinnahme, verrutschtes Diaphragma, überschrittener Termin zur Erneuerung der Kupferspirale/ Kupferballs oder für die Drei-Monats-Spritze)  
  • Vergewaltigung  

sein.  

Solltest du die Pille danach aufgrund eines sexuellen Übergriffes benötigen, sprich mit einem Arzt/ Ärztin, Apotheker:in, wende dich an Hilfsangebote und kontaktiere die Polizei.

Hotlines und Beratungsangebote bei sexualisierter Gewalt  

  1. Bundeshilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“: kostenlos unter: 08000 116 016 (rund um die Uhr, täglich), Online-Beratung: www.hilfetelefon.de
  2. Hilfetelefon Sexueller Missbrauch: kostenlose und anonyme Beratung unter: 0800 22 55 530 (Mo, Mi, Fr: 9-14 Uhr, Di und Do: 15 bis 20 Uhr), Online-Beratung unter www.save-me-online.de
  3. Beratungsstellen Gewalt gegen Frauen und Mädchen: www.frauen-gegen-gewalt.de/de/hilfe-vor-ort.html
  4. Nummer gegen Kummer für Kinder und Jugendliche: 116 111 (kostenfrei von Handy und Festnetz, Mo-Sa 14-20)
  5. Muslimisches Seelsorgetelefon 24 Stunden unter: 030 4435 09821, dienstags auch auf Türkisch
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Wirkung der Pille danach  

Das Bild zeigt eine Pille danach
Die Pille danach ist in Apotheken in Deutschland seit 2015 rezeptfrei erhältlich. Dort wird auch eine Beratung angeboten. | © Lalocracio

Einige Tage vor dem Eisprung und während des Eisprungs ist die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft am höchsten. Zudem sind Spermien bis zu sieben Tage befruchtungsfähig. Die Pille danach hemmt die Follikelreifung und verzögert so den Eisprung beziehungsweise den LH-Peak. Der LH-Peak bezeichnet den höchsten Anstieg der LH-Konzentration, der etwa 24 Stunden später zum Eisprung führt. Wird die Pille danach vor dem Eisprung eingenommen, sterben zudem die Spermien ab und eine Befruchtung kann so verhindert werden. Die Pille danach wirkt jedoch nicht mehr, wenn eine Befruchtung bereits stattgefunden hat.
Es gibt zwei verschiedene Wirkstoffe, die in der Pille danach enthalten sind und sich in ihrem Wirkfenster unterscheiden:  

  1. Levonorgestrel (LNG); Pillen danach mit LNG wirken kurz vor dem Eisprung nicht mehr.  
  2. Ulipristalacetat; Pillen danach mit UP wirken noch bis kurz vor dem Eisprung, das bedeutet, auch an den fruchtbarsten Tagen der Frau.  

Ulipristalacetat kann bis zu fünf Tage nach der Verhütungspanne eingenommen werden, Levonorgestrel bis zu drei Tage danach.  

Der verzögerte Eisprung erfolgt dann etwa fünf Tage später. Dieses Zeitfenster ist ausreichend, um das fruchtbare Zeitfenster zu schließen. Beide hormonellen Methoden haben keinen Einfluss auf die Einnistung (Implantation) einer befruchteten Eizelle. Die „Pille danach“ führt daher zu keinem Schwangerschaftsabbruch. Sie kann nicht wirken, wenn der Eisprung bereits stattgefunden hat.

Werden Levonorgestrel oder Ulipristalacetat nach dem LH-Peak verabreicht, können beide Wirkstoffe den Eisprung nicht mehr verschieben. Daher ist es wichtig, dass die Pille danach schnellstmöglich nach der Verhütungspanne eingenommen wird, um dem Eisprung zuvorzukommen. Mädchen und Frauen sollten deswegen unverzüglich einen Arzt, Ärztin oder Apotheke aufsuchen.

Nach der Einnahme der Pille danach kann sich die Menstruationsblutung um einige Tage verschieben. Sollte die Periode allerdings länger als sieben Tage überfällig sein, sollte umgehend ein Schwangerschaftstest gemacht werden.  

Wo kann man Pille danach kaufen und was kostet sie? 

Die Pille danach ist seit 2015 in Deutschland rezeptfrei in Apotheken erhältlich und Apotheker:innen können die Pille danach an alle Frauen im gebärfähigen Alter abgeben. Wichtig ist, dass die Frau die Pille danach persönlich entgegennimmt, da Apotheker:innen sie über die richtige Einnahme, Neben- und Wechselwirkungen aufklären. Zudem klären Apotheker:innen die Frauen darüber auf, dass sie ihren Gynäkologen aufsuchen sollen, um eine ungewollte Schwangerschaft rechtzeitig zu erkennen.  

Mädchen unter 14 Jahren benötigen die Zustimmung ihrer Erziehungsberechtigten, wenn sie die Pille danach kaufen oder verschrieben haben möchten.
Für Frauen bis zum 20. Geburtstag übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für die Pille danach, falls ein Arzt oder eine Ärztin ein entsprechendes Rezept ausgestellt hat.

Die Kosten für die Pille danach können abhängig vom Präparat schwanken. Präparate mit dem Wirkstoff Levonorgestrel kosten circa 18 Euro, Präparate mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat kosten etwa 35 Euro.

Nebenwirkungen der Pille danach  

Wie bei jedem Medikament können auch bei der Pille danach Nebenwirkungen auftreten. Die Pille danach greift schließlich massiv in das Hormonsystem des Körpers ein. Zu möglichen Nebenwirkungen zählen:  

  • Übelkeit  
  • Schwindel  
  • Erbrechen  
  • Unterleibsschmerzen  
  • Kopfschmerzen  
  • Unregelmäßige Menstruationsblutungen, Schmier- oder Zwischenblutungen 

Solltest du dich innerhalb von drei Stunden nach der Einnahme der Pille erbrechen, muss die Pille danach erneut eingenommen werden, da die Wirkung eingeschränkt sein kann.

Bei starken Nebenwirkungen solltest du dich unverzüglich an einen Arzt oder eine Ärztin wenden!  

Hersteller von Medikamenten müssen im Beipackzettel jegliche Nebenwirkungen auflisten, die im Zusammenhang mit der Einnahme des Medikaments bekannt sind. Dies kann sehr beunruhigend wirken. Daher ist es wichtig zu wissen, dass die möglichen Nebenwirkungen absteigend nach ihrer Häufigkeit kategorisiert werden.   

  • „Sehr häufig“: Bei mehr als zehn Prozent der Anwender (oder mehr als 1 von 10 Behandelten) können sich Nebenwirkungen einstellen.   
  • „Häufig“: Bei bis zu zehn Prozent der Menschen (oder bis zu 1 von 10), kann es zu Nebenwirkungen kommen.   
  • „Gelegentlich“: Bei bis zu einem Prozent der Anwender (oder bis zu 1 von 100) können unerwünschte Begleiterscheinungen auftreten. 

Die Pille danach und Übergewicht 

Übergewichtige Frauen, die die Pille danach einnehmen, sollten wissen, dass die Wirkung der Pille danach mit zunehmendem Körpergewicht abnimmt. Ab einem Körpergewicht von 70 kg sinkt die Effektivität für Levonorgestrel deutlich, bei Ulipristalacetat tritt eine Wirkreduktion erst ab 95 kg auf. Bei stark adipösen Frauen (BMI > 35 kg/m2) empfehlen Gynäkologen häufig die Spirale danach.  

Die Pille danach in der Stillzeit

Auch in der Stillzeit kann es zu Verhütungspannen kommen und auch Stillende haben die Möglichkeit, die Pille danach einzunehmen. Es ist jedoch zu beachten, dass die Wirkstoffe Levonorgestrel und Ulipristalacetet in die Muttermilch übergehen können. Daher ist es zu empfehlen, dass unmittelbar vor der Einnahme der Pille danach zu stillen und danach eine Stillpause einzulegen. Bei dem Wirkstoff Levonorgestrel sollten mindestens acht Stunden Pause, bei dem Wirkstoff Ulipristalacetet mindestens eine Woche eingelegt werden. Die Muttermilch kann in dieser Zeit abgepumpt und sollte danach entsorgt werden.  

Wechselwirkungen der Pille danach mit anderen Medikamenten  

Die Wirkung Pille danach mit dem Wirkstoff Levonorgestrel kann vermindert sein, wenn andere bestimmte Wirkstoffe eingenommen werden. Zu dieser Beeinträchtigung kann es kommen, wenn die gleichzeitig eingenommenen Medikamente die Aktivität eines bestimmten Leberenzyms (CYP3A4) erhöhen.  

Zu den Medikamente, die diese Induktion auslösen können, zählen:  

  • Johanniskrautpräparate  
  • Antiepileptika  
  • HIV-Medikamente  
  • Rifampicin 
Letztes Update: 2022-09-27
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