Das runde Piktogramm mit einem rosa Hintergrund zeigt eine Illustration eines Virus mit einem Reagenzglas.
Affenpocken

Affenpocken sind eine Viruserkrankung, die durch das Affenpockenvirus ausgelöst wird. Strukturell ähnelt das Affenpockenvirus dem Pockenvirus, welches Anfang der 1980er Jahre vollständig ausgerottet wurde. Erstmals wurde das Affenpockenvirus 1958 in einem Labor in Dänemark an Affen nachgewiesen, daher auch der Name. Jedoch ist anzumerken, dass Affen, wie auch Menschen, eigentlich Fehlwirte des Virus sind und das Affenpockenvirus normalerweise in Nagetieren zirkuliert. Im Jahr 1970 erkrankte erstmals ein Mensch an dem Virus in der Demokratischen Republik Kongo an dem Affenpockenvirus. Seitdem sind vereinzelte Fälle von infizierten Menschen vor allem in West- und Zentralafrika Menschen bekannt. Im Gegensatz zu den Pocken ist die Infektion mit Affenpocken mild und die meisten Erkrankten genesen innerhalb von zwei bis vier Wochen. Unterschätzt werden darf die Krankheit aber nicht: immungeschwächte Menschen und Kinder können schwerere Krankheitsverläufe haben.  

Symptome von Affenpocken

Nach der Infektion mit dem Affenpockenvirus kann es innerhalb von fünf bis 21 Tagen zum Ausbruch der ersten Symptome kommen:   

  • Fieber  
  • Kopf-, Muskel- und Rückenschmerzen 
  • Geschwollene Lymphknoten  
  • Ein Hautausschlag tritt auch in den ersten Tagen der Krankheitssymptome auf, der vorwiegend im Gesicht oder Genitalbereich beginnt und sich über den gesamten Körper ausbreiten kann.  
Das Bild zeigt eine menschliche Hand. Der Mensch ist mit Affenpocken infiziert, da sich auf dem Handrücken die typischen Blasen der Erkrankung gebildet haben.
In der dritten Phase der Infektion mit Affenpocken bilden sich auf der Haut Bläschen. | © MarioGuti

Der auffällige Ausschlag, der bei einer Infektion mit dem Affenpockenvirus auftritt, durchläuft mehrere Stadien und klingt in der Regel nach 21 Tagen vollständig ab:  

  1. Phase: Im Gesicht oder im Genitalbereich bricht der Hautausschlag in der Regel aus und breitet sich binnen 24 Stunden auf andere Körperteile wie Arme und Beine, Hände und Füße, einschließlich Handflächen und Fußsohlen, aus. Rote Flecken, ohne Erhebung, sind charakteristisch für diese Phase.  
  2. Phase: Die Flecken entwickeln sich zu erhöhten Hautknötchen, sogenannte Papeln.  
  3. Phase: Nach weiteren vier bis fünf Tagen füllen sich die Papeln mit einer klaren Flüssigkeit, Bläschen bilden sich. 
  4. Phase: Nach etwa sechs Tagen sind die Bläschen erhöht, es haben sich Pusteln gebildet und sie sind mit einer gelblichen, eitrigen Flüssigkeit gefüllt.  
  5. Phase: Die Pusteln verkrusten und Schorf bildet sich, der nach circa einer Woche abfällt.  

Die britische Behörde UK Health Security Agency gibt zudem an, dass der Hautausschlag sich in manchen Phasen Windpocken oder Syphilis ähneln kann.  

Der Verlauf von Affenpocken ist in der Regel zwar unangenehm, aber sehr mild – vor allem im Vergleich zu den Menschenpocken.  

Ursachen von Affenpocken 

In der Vergangenheit haben sich Menschen vor allem durch infizierte (Nage-)Tiere mit Affenpocken angesteckt, zum Beispiel, wenn sie von diesen gebissen wurden oder mit ihren Ausscheidungen in Kontakt kamen. Seit dem ersten Fall eines erkrankten Menschen an Affenpocken wurden humane Fälle von Affenpocken vor allem in west- und zentralafrikanischen Ländern gemeldet. Die nigerianische Gesundheitsbehörde gibt an, dass von Januar bis April 2022 15 Fälle von Affenpocken registriert wurden.  

2003 kam es zum ersten Nachweis von Affenpocken außerhalb des afrikanischen Kontinents. Insgesamt gab es 70 Fälle in den USA, die sich über importierte Nagetiere aus Ghana infizierten. Mensch zu Mensch Übertragungen konnten dabei nicht festgestellt werden, ebenfalls gab es keine Todesfälle oder einen flächendeckenden Ausbruch.  

Eine Übertragung Mensch zu Mensch ist sehr selten und kann nur erfolgen, wenn mit einem Infizierten ein enger Körperkontakt besteht (zum Beispiel beim Sex oder man mit den Flüssigkeiten aus den Bläschen, mit dem Blut oder dem Schorf in Berührung kommt). Ob eine Infektion auch durch eine Tröpfcheninfektion möglich ist, ist noch nicht abschließend geklärt.  

Wichtig anzumerken ist, dass homosexuelle Männer oder sexuell aktive Männer kein höheres Risiko haben sich mit dem Affenpockenvirus anzustecken. Jeder, der engen körperlichen Kontakt mit einer infizierten und ansteckenden Person hat, kann sich infizieren. An Affenpocken können alle Menschen erkranken – unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung.  

Behandlung von Affenpocken 

In der Regel heilt eine Infektion mit dem Affenpockenvirus von alleine wieder ab. Die Behandlung von Affenpocken ist vor allem symptomorientiert, da bakterielle Superinfektionen vermieden werden müssen. Seit Januar 2022 ist der Wirkstoff Tecovirimat in der EU gegen Affenpocken zugelassen. Das Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt jedoch nur bei immungeschwächten Menschen eine Behandlung mit Tecovirimat.
Besteht der Verdacht, sich mit Affenpocken infiziert zu haben, da zum Beispiel ungewöhnliche Hautveränderungen auftreten, sollte unverzüglich ein Arzt oder Ärztin konsultiert werden. 

Das RKI empfiehlt folgende Verhaltensregeln, wenn eine Infektion mit Affenpocken nachgewiesen wurde:  

  • Engen Körperkontakt vermeiden 
  • Auf eine erhöhte Hygiene achten 
  • Hautveränderungen, Bläschen und Flüssigkeiten von Erkrankten nicht berühren 

Zudem empfiehlt das RKI aktuell, dass sich infizierte Personen in eine 21-tägige Isolation begeben.  

Impfung gegen Affenpocken

Aktuell gibt es in Deutschland noch keine gegen Affenpocken zugelassene Impfung. Da der Erreger den Pocken sehr ähnelt, sind Menschen, die eine Pockenimpfung erhalten haben, bis zu einem gewissen Grad geschützt. Allerdings ist noch unklar, wie ausgeprägt der Schutz ist: In der Bundesrepublik wurde die Pflicht für eine Erstimpfung gegen die Pocken 1976 aufgehoben, in der DDR 1980. Die Krankheit galt danach als ausgerottet und Menschen, die nach 1976 bzw. 1980 geboren sind, wurden in der Regel nicht mehr gegen Pocken geimpft. Seit 2013 ist in der EU ein Pocken-Impfstoff zugelassen (Imvanex), der modifiziert und besser verträglicher als ältere Pockenimpfstoffe ist. Unter bestimmten Umständen können Personen ab 18 Jahren mit diesem Impfstoff geimpft werden. Aktuell gibt es noch keine Impfempfehlung des RKIs oder der STIKO. 

Steht uns die nächste Pandemie bevor?

Expert:innen gehen davon aus, dass keine erneute Pandemie durch den Ausbruch von Affenpocken bevorsteht. Vieles deutet darauf hin, dass das Virus weniger ansteckend ist, als zum Beispiel Sars-CoV-2 und nur durch einen sehr engen und sehr intensiven Kontakt übertragen wird. Die sehr lange Inkubationszeit schränkt die Ausbreitung des Virus ein. Zudem sind Isolationen und Kontaktbeschränkungen sehr effektiv. Des Weiteren gibt es ein Medikament gegen Affenpocken. Denkbar wären auch gezielte Impfstrategien wie Ringimpfungen (wie sie auch bei Ebola-Erkrankungen eingesetzt wurde), bei denen Personen aus dem Umfeld der infizierten Person, geimpft werden, um die Ausbreitung einzudämmen. 

Wie kann Doktor.de mir bei Affenpocken helfen?

Wenn du den Verdacht hast, dass du dich mit Affenpocken infiziert hast oder Kontakt zu einer mit Affenpocken infizierten Person hattest, kannst du über die Doktor.de-App unsere Kooperationsärzt:innen konsultieren. Diese geben dir gezielte Handlungsempfehlungen und können dir bei Bedarf eine Krankschreibung ausschreiben. Wichtig ist, dass du, wenn sich der Verdacht einer Infektion bestätigt, umgehend in Isolation begibst!  

 

Quelleninformationen:

Dieser Text wurde von Mediziner:innen geprüft und entspricht medizinischen Leitlinien. 

Kalsch-Bölker, M. 30.05.2022. Affenpocken. Demixed. 

Robert Koch-Institut. 27.05.2022. Antworten auf häufig gestellte Fragen zu Affenpocken. 

Deutsche Aidshilfe. 29.05.2022. Affenpocken. 

Letztes Update: 2022-06-17