Das runde Piktogramm mit einem mintgrünen Hintergrund zeigt eine Illustration eines menschlichen Herzen.
Arrhythmie

Von einer Arrhythmie ist die Rede, wenn der Herzschlag vom normalen Rhythmus abweicht. Solche Herzrhythmusstörungen treten bei herzkranken und herzgesunden Menschen gleichermaßen auf. Einige Betroffene bemerken davon kaum etwas, andere leiden unter „Aussetzern“, Herzklopfen bis zur Kurzatmigkeit, Schwächeanfällen oder sogar Bewusstlosigkeit. Arrhythmien können in jedem Lebensalter vorkommen. Ihre Häufigkeit steigt aber mit zunehmendem Alter, vor allem bei Menschen über 60. 

Symptome einer Arrhythmie

Das Bild zeigt einen Patienten, der auf einer Liege liegt und an ein EKG angeschlossen ist. Der behandelnde Arzt schaut sich das EKG an.
Die wichtigste Untersuchung zur Diagnose von Arrhythmien ist die Elektrokardiografie, kurz EKG. Dabei werden über Messpunkte auf dem Brustkorb und den Armen und Beinen die elektrischen Ströme im Herzen gemessen und als Elektrokardiogramm registriert.| © Zinkevych

Unter Ruhebedingungen schlägt ein gesundes menschliches Herz circa 60- bis 90-mal pro Minute. Um das Blut durch den Körper pumpen zu können, erzeugt es selbst elektrische Impulse, die das Zusammenziehen des Herzmuskels auslösen. Als Taktgeber dient der sogenannte Sinusknoten. Dieser befindet sich im oberen Bereich des rechten Herzvorhofs. 

Normalerweise gibt der Sinusknoten die elektrischen Impulse in einem stetigen Rhythmus ab. Wellenförmig verteilen sie sich im gesamten Herzmuskel. Bei Aufregung oder physischer Anstrengung beschleunigt sich der Herzschlag, während er sich in Ruhe verlangsamt. So fließt immer genau so viel Blut durch den Körper, wie dieser gerade benötigt. 

Manchmal kommt es zu Störungen bei der Entstehung der elektrischen Impulse. Dadurch funktioniert auch die Weiterleitung der Impulswellen nicht auf die gewohnte Weise. Das Herz gerät aus dem Takt und schlägt zeitweilig zu langsam, zu schnell oder unregelmäßig. Dass dein Herz ab und an stolpert, ist ganz normal. Aufmerksamkeit ist jedoch geboten, wenn Arrhythmien immer wieder auftreten und/oder stärkere Symptome verursachen. 

Herzstolpern: nicht angenehm, aber meist harmlos

Nicht selten zeigt sich eine Arrhythmie durch ein Gefühl, als würde das Herz kurz aussetzen und dann „stolpern“. Grund dieses Herzstolperns sind häufig sogenannte Extrasystolen, zusätzliche Herzschläge. Diese treten auch bei jungen, gesunden Menschen auf. Viele bemerken davon überhaupt nichts. Als Herzrhythmusstörungen gelten diese Extraschläge nur, wenn sie gehäuft vorkommen. 

Beschwerden bei zu langsamem Herzschlag

Schlägt das Herz langsam, muss nicht immer eine Krankheit vorliegen. Bei Leistungssportlern liegt der Ruhepuls oft unter 50. Bei einigen sind es sogar nur 40 Herzschläge pro Minute. Als krankhaft gilt der langsame Herzschlag, wenn die Blutversorgung des Gehirns und der Organe eingeschränkt ist. Die Betroffenen merken das beispielsweise durch Anzeichen wie: 

  • Schwindel 
  • Übelkeit 
  • Schweißausbrüche 

Schlägt das Herz über längere Zeit sehr langsam, können Müdigkeit, Leistungsschwäche, Benommenheit und Sehstörungen auftreten. Manchmal kommt es sogar zur Ohnmacht. Langsame Arrhythmien, die mit derartigen Symptomen einhergehen, sind in aller Regel behandlungsbedürftig. 

Beschwerden bei zu schnellem Herzschlag 

Beginnt das Herz in Ruhe schnell zu schlagen, verspüren die meisten Betroffenen ein Herzrasen oder Herzpochen. Dieses geht häufig mit Nervosität und Unruhe einher. Manchmal löst es auch Angst aus. Weitere mögliche Symptome sind: 

  • Schwindel 
  • Kurzatmigkeit 
  • Brustschmerz 

Schlägt das Herz mehr als 200-mal pro Minute, können Benommenheit, Verwirrtheit oder Bewusstlosigkeit die Folge sein. Liegen dem Herzrasen weder körperliche Anstrengung noch extremer Stress zugrunde, empfiehlt es sich, die Ursache abklären zu lassen. 

Ursachen einer Arrhythmie

Die Ursachen für Herzrhythmusstörungen können vielfältig sein. Ein häufiger Auslöser von Arrhythmien bei jungen und gesunden Menschen sind Genussgifte wie Nikotin, Alkohol und Koffein. Diese stimulieren sowohl das zentrale als auch das vegetative (unwillkürliche) Nervensystem, die das Herz dazu bringen, schneller zu schlagen. Stress, Nervosität und Angst können ebenfalls Herzrhythmusstörungen hervorrufen. Gleiches gilt für Störungen im Mineralstoffhaushalt. 

Vorhofflimmern durch Bluthochdruck 

Viele Menschen mit Vorhofflimmern leiden unter langjährigem Bluthochdruck. Dieser lässt die Druckbelastung im Herzen, vor allem im linken Herzvorhof, ansteigen. Die daraus resultierende Dehnung der Vorhofwände bewirkt im weiteren Verlauf ein rasches und unkontrolliertes Flattern der Vorhöfe, das einen unregelmäßigen Herzschlag nach sich zieht. Außerdem begünstigt es die Bildung von Blutgerinnseln im Vorhof. 

Ursachen lebensbedrohlicher Arrhythmien 

Während sich aus den Vorhöfen hervorgehende Herzrhythmusstörungen gut behandeln lassen, können Arrhythmien der Herzkammern lebensbedrohlich sein. Sie können Kammerflimmern auslösen und damit den plötzlichen Herztod herbeiführen. Ihren Ursprung haben diese Störungen häufig in der koronaren Herzkrankheit oder in einem Herzinfarkt. Unbehandelt führt diese Form der Arrhythmie binnen weniger Minuten zum Herztod. 

Weitere Ursachen für Arrhythmien 

Eine Störung des Hormonhaushalts kann ebenfalls einen unregelmäßigen Herzschlag auslösen. Zudem liegt vielen Formen der Arrhythmie eine genetische Komponente zugrunde. Treten Herzrhythmusstörungen, unerklärliche Ohnmachtsanfälle oder der plötzliche Herztod innerhalb deiner Familie häufiger auf, kann eine Blutuntersuchung dein erbliches Risiko ermitteln. 

Weitere mögliche Auslöser für Arrhythmien sind: 

  • der Konsum von Drogen oder Giften 
  • Nebenwirkungen von Medikamenten 
  • fiebrige Infektionen 
  • Herzmuskelerkrankungen, Herzmuskelentzündung und Herzklappenfehler sowie 
  • angeborene Erkrankungen wie das Brugada-Syndrom, das Wolff-Parkinson-White-Syndrom, die arrhythmogene rechtsventrikuläre Erkrankung oder das WPW-Syndrom 

Behandlung einer Arrhythmie

Arrhythmien sind meist weniger gefährlich als früher angenommen. In aller Regel geht von ihnen nur dann ein Gesundheitsrisiko aus, wenn sie in Zusammenhang mit einer schweren Herzkrankheit stehen. Nur selten treten hochgefährliche Herzrhythmusstörungen ohne offensichtliche Herzerkrankung auf. 

Behandelt werden Arrhythmien nur, wenn: 

  • von ihnen die Gefahr des plötzlichen Herztods ausgeht 
  • sie zu einem Schlaganfall führen können 
  • sie die körperliche Leistungsfähigkeit mindern 
  • sie belastende Symptome wie Schwindel, ausgeprägtes Unwohlsein oder Herzrasen hervorrufen 
Medikamentöse Therapie 

Die Behandlung der ursächlichen Erkrankung erfolgt mit Medikamenten wie Betablockern oder Rhythmusmedikamenten (Antiarrhythmika). Das richtige Präparat und die passende Dosierung zu finden, ist manchmal nicht ganz einfach. Zum einen reagiert jeder Mensch unterschiedlich auf die verschiedenen Wirkstoffe. Zum anderen haben viele Medikamente Nebenwirkungen. Bei Vorhofflimmern bekommen die Betroffenen außerdem häufig gerinnungshemmende Arzneimittel, die einem Schlaganfall vorbeugen. 

Elektrokardioversion 

Nicht immer lassen sich Herzrhythmusstörungen durch Medikamente stoppen. In diesen Fällen kann die sogenannte Elektrokardioversion Abhilfe schaffen. Diese beendet die Arrhythmie durch einen kurzen Stromstoß. In Notfällen kommt diese Behandlungsform durch den Einsatz eines Defibrillators zur Anwendung. Sie ist aber auch als geplanter Eingriff unter kurzer Narkose durchführbar, zum Beispiel bei Vorhofflimmern. 

Katheterablation 

Helfen weder Medikamente noch die Elektrokardioversion, kann eine Katheterablation angezeigt sein. Bei dieser wird versucht, krankhafte elektrische Erregungsherde am Herzmuskelgewebe ausfindig zu machen und zu veröden. Nach dem Eingriff schlägt das Herz oft wieder dauerhaft im natürlichen Takt. 

Herzschrittmacher 

Herzschrittmacher kommen insbesondere bei langsamen Arrhythmien zum Einsatz. Sie regen das Herz dazu an, schneller zu schlagen. Damit beseitigen sie die durch die Herzrhythmusstörungen ausgelösten Beschwerden. Zudem können spezielle Schrittmacher (Defibrillatoren) einen Herzstillstand verhindern. 

Wie kann Doktor.de mir bei Arrhythmien helfen?

Dein Herz stolpert und du bist dir nicht sicher, ob du einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen solltest? Unsere ausgewählten Mediziner:innen helfen dir gern bei der Einschätzung deiner Symptome und geben dir Hinweise zum weiteren Vorgehen. 

 

Quelleninformationen:

Dieser Text wurde von Mediziner:innen geprüft und entspricht medizinischen Leitlinien. 

Universitätsmedizin Göttingen. o.J. Herzrhythmusstörungen.

Professor Dr. med. Haass,M.; Dr. med. Schumacher, B. 07.07.2021. Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien). Apotheken Umschau.

Immanuel Klinikum Bernau. Herzzentrum Brandenburg. o.J. Katheter-Ablation bei Herzrhythmusstörungen.

Deutsches Herzzentrum Berlin. o.J. Herzrhythmusstörung – Symptome, Ursachen & Therapie.

Herz Profi. o.J. Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien): Symptome, Arten und Behandlung. 

Letztes Update: 2022-08-25