Das Piktogramm zeigt einen (weiblichen) Unterleib, sowie einen Teil der Oberschenkel. Die gezeichnete Person trägt eine senfgelbe, mit dunkleren Punkten verzierte, Unterhose. Das Piktogramm symbolisiert die Kategorie "Frauenheilkunde". Der Hintergrund ist mintgrün.
Gebärmuttersenkung

Eine Gebärmuttersenkung betrifft viele, meist ältere Frauen, aber auch jüngere können nach der Geburt eines Kindes betroffen sein. Die normalerweise gut im Beckenraum fixierten Organe drängen bei einer Schwäche von Bändern und Muskeln nach unten. Das kann unangenehme Symptome auslösen und das Wohlbefinden stark einschränken. Die Therapieoptionen reichen von Beckenbodentraining bis Operation. 

Symptome von Gebärmuttersenkung

Es gibt verschiedene Grade der Gebärmuttersenkung bis hin zu einem vollständigen Vorfall, bei dem Teile von Gebärmutter, Harnblase oder Darm aus der Scheidenöffnung nach außen hervortreten. 

Häufig haben Frauen mit einer leichten Gebärmuttersenkung keine Symptome, allenfalls eine geringgradige Harninkontinenz. Diese tritt zunächst nur bei Druckerhöhungen im Bauchraum auf, zum Beispiel bei: 

  • schwerem Heben
  • Husten
  • Niesen
  • Pressen
  • Lachen
  • Sport
  • Übergewicht

Erst bei einer stärkeren Gebärmuttersenkung werden Symptome häufiger. So erleben betroffene Frauen ein nach unten drängendes, drückendes Gefühl. Dies kann sich auch wie ein Fremdkörper im Beckenraum anfühlen. Besonders unangenehm fällt dies beim Laufen und Stehen auf, im Liegen hingegen verschwinden die Beschwerden. Eine Inkontinenz kann sich verstärken oder neu auftreten. Auch Schmerzen beim Geschlechtsverkehr sind häufig. 

Manche Frauen berichten über Schmerzen im Unterbauch. Neben der bereits erwähnten Harninkontinenz kann in schwereren Fällen eine Stuhlinkontinenz vorkommen. Entgegengesetzt können aber auch Schwierigkeiten bei der Entleerung von Blase oder Darm entstehen. Im Falle einer Blasenentleerungsstörung kommt es in der Folge häufiger zu Blasenentzündungen. 

Durch Verlagerung der Organe können sich an der Scheidenwand Reizungen bis hin zu Geschwüren und Blutungen entwickeln. Dies wird durch den im Alter häufigen Östrogenmangel noch gefördert. Senkungsbeschwerden treten auch nach einer Entfernung der Gebärmutter auf, da sich der Scheidenstumpf ebenfalls absenken kann. 

Untersuchungen zur Einschätzung des Schweregrades

Nach einer ausführlichen Befragung zu den Beschwerden erfolgt eine gründliche gynäkologische Untersuchung. Bei willkürlichem Pressen zeigt sich, wie stark die Senkung ist und welche Organe neben der Gebärmutter davon betroffen sind. Eine Ultraschalluntersuchung ergänzt den Befund. Dabei werden neben den Beckenorganen auch die Nieren angeschaut, um mögliche Folgeschäden der Gebärmuttersenkung zu erfassen. 

Bei Verdacht auf Entleerungsstörungen von Blase oder Darm sind manchmal weitere bildgebende Untersuchungen erforderlich, um zu beurteilen, wie stark die Ausscheidungsfunktionen beeinträchtigt werden. 

Ursachen von Gebärmuttersenkung

Die Ursachen sind nicht bis ins Letzte geklärt. Bekannt ist, dass es eine Veranlagung für ein schwaches Bindegewebe gibt. Gleichzeitig gehört die nachlassende Festigkeit bindegewebiger Strukturen zum normalen Alterungsprozess. 

Auch Hormone in der Schwangerschaft sorgen dafür, dass sich Bindegewebe auflockert, was es anfällig für Überdehnungen macht. 

In vielen Fällen treten erste Symptome nach einer vaginalen Geburt auf, denn auf dem Weg des Babys durch den Beckenraum sind sämtliche umliegenden Strukturen starken mechanischen Belastungen ausgesetzt. Vermutet wird, dass häufige Druckerhöhungen im Bauchraum mindestens zu einer Verschlechterung einer Gebärmuttersenkung beitragen. Das betrifft zum Beispiel Frauen mit chronischem Husten, starkem Übergewicht oder Frauen, die oft schwere Lasten heben müssen. 

Behandlung von Gebärmuttersenkung

Die Auswahl der Therapie richtet sich nach dem Grad des Gebärmuttervorfalls und den damit einhergehenden Beeinträchtigungen. Frauen ohne Leidensdruck müssen nicht behandelt werden. Alle Therapien können, zumindest vorübergehend, die Lebensqualität verbessern. 

Beckenbodentraining 

Generell wird ein dauerhaft anzuwendendes, spezielles Beckenbodentraining empfohlen. Damit werden die Muskeln des Beckenbodens gestärkt. Die Übungen sollen am besten mehrfach täglich für mehrere Minuten durchgeführt werden. Dadurch kann sich eine geringgradige Gebärmuttersenkung unter Umständen sogar wieder zurückbilden. 

Pessare 

Alternativ gibt es therapeutische Pessare, nicht zu verwechseln mit Pessaren, die zur Verhütung verwendet werden. Sie sind ring-, schüssel- oder würfelförmig und werden zur Stabilisierung der natürlichen Lage der Beckenorgane in die Scheide eingesetzt. Nachts werden sie herausgenommen, um keine Druckschäden an der Scheidenwand zu riskieren. Bei Pessar-Therapie, starker Senkung oder vor einer Operation werden häufig ergänzend Östrogencremes oder -zäpfchen verwendet, um die Scheidenhaut widerstandsfähiger zu machen. 

Operation 

Es gibt eine Reihe von Operationsverfahren, die über die Scheide oder die Bauchdecke erfolgen. Dabei werden mithilfe verschiedener Techniken die Beckenorgane in ihrer natürlichen Lage zueinander fixiert. Kunststoffnetze können zur Stabilisierung von Strukturen zum Einsatz kommen. Selten erfolgt eine Entfernung der Gebärmutter. 

Rückfälle sind bei keinem der operativen Verfahren ausgeschlossen. 

Vorbeugung von Gebärmuttersenkung

Vorbeugend kann man versuchen, die Druckbelastung auf den Bauchraum zu vermindern. Das erreicht man unter anderem durch: 

  • Gewichtsabnahme bei Adipositas
  • Behandlung von Erkrankungen mit wiederkehrenden Hustenattacken
  • Behandlung chronischer Verstopfung
  • Vermeiden des Hebens schwerer Lasten

Nach einer Geburt hilft Rückbildungsgymnastik, den Beckenboden und die Bauchmuskeln behutsam wieder zu kräftigen. 

Die meisten Frauen profitieren von einem regelmäßigen Beckenbodentraining, das Senkungserscheinungen vorbeugen kann. 

Wie kann Doktor.de mir bei einer Gebärmuttersenkung helfen?

Bei Doktor.de kannst du über eine Gebärmuttersenkung und das Beckenbodentraining beraten werden. Hier erfährst du, ob in deinem Fall eine gynäkologische Untersuchung oder eine andere Behandlung erforderlich ist. Doktor.de stellt dir bei Bedarf eine Überweisung in ein Beckenbodenzentrum aus. Diese Einrichtungen sind unter anderem auf die Behandlung von Gebärmuttersenkungen spezialisiert. 

 

Quelleninformationen:

Dieser Text wurde von Mediziner:innen geprüft und entspricht medizinischen Leitlinien. 

Allahwerde, S. 24.08.2022. Gebärmuttersenkung und Gebärmuttervorfall. Deximed.

Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung. 07.2021. Gebärmuttererkrankungen: Gebärmuttersenkung.

Kiechle: Gynäkologie und Geburtshilfe. Urban und Fischer, München 2011. ISBN 978-3-437-42407-6.

Letztes Update: 2022-10-31