Das runde Piktogramm mit einem mintgrünen Hintergrund zeigt eine Illustration eines menschlichen Oberkörpers. Hervorgehoben sind die Organe Pankreas, Leber und Galle.
Hepatitis D

Bei Hepatitis D handelt es sich um eine Entzündung des Lebergewebes, die durch das Hepatitis-D-Virus (HDV) ausgelöst wird. Hepatitis D ist eine sogenannte Ko-Infektion, da sie nur auftreten kann, wenn eine Ansteckung mit dem Hepatitis B-Virus (HBV) gleichzeitig erfolgt oder bereits vorhanden ist. Hepatitis D ist die schwerste Ausprägung der viralen Hepatitis. Es besteht bei Hepatitis D ein stark erhöhtes Risiko, im späteren Verlauf an Leberzirrhose oder Leberkrebs zu erkranken. Daher sind ein Impfschutz gegen HBV sowie ein vorbeugendes Verhalten besonders wichtig. 

Symptome von Hepatitis D

Eine akute Infektion mit dem HDV kann zunächst völlig unauffällig verlaufen. Die Erkrankung kann indes auch einen schweren Verlauf nehmen. Zwischen Ansteckung und Ausbruch der Hepatitis D kann eine Inkubationszeit von zwei bis acht Wochen liegen. Meist klagen Betroffene über unspezifische Beschwerden wie 

  • Müdigkeit und Abgeschlagenheit
  • Sich krank fühlen
  • Appetitlosigkeit
  • Druckgefühl im Oberbauch

 Erst später tritt die typische Gelbsucht auf. 

Ursachen von Hepatitis D

Das Hepatitis D-Virus kann sich nur vermehren und eine Infektion verursachen, wenn gleichzeitig das Hepatitis B-Virus vorhanden ist. Das HDV ist nämlich ein sogenanntes defektes Virus. Es besteht nur aus einem RNA-Ring ohne eigene Hülle und kommt in dieser natürlichen Form nur beim Menschen vor. 

Mit Hepatis D kann man sich auf zwei Wegen anstecken: Bei einer Simultaninfektion steckt man sich gleichzeitig mit Hepatitis B und D an. Bei einer Superinfektion besteht bereits eine chronische Hepatitis B-Erkrankung und es kommt zu einer zusätzlichen Ansteckung. Sowohl Hepatitis D wie Hepatitis B werden meist bei engem Körperkontakt über Blut und Sperma übertragen. In seltenen Fällen passiert eine Infektion durch verunreinigte Blutkonserven oder während der Geburt durch die Mutter auf das Kind. 

Behandlung von Hepatitis D

Die erstmals 1977 entdeckte Hepatitis D ist die aggressivste Ausprägung der viralen Hepatitis. Bei dieser Infektionskrankheit besteht ein stark erhöhtes Risiko, an Leberzirrhose oder Leberkrebs zu erkranken. In Deutschland bestehen für Hepatitis B und D gemäß Infektionsschutzgesetz namentliche Labor- und Arztmeldepflichten. Das Robert-Koch-Institut (RKI) beschreibt, dass eine Ko-Infektion mit HBV und HDV in 70 bis 90 Prozent zu schweren chronischen Verläufen führt. Experten schätzen, dass Hepatitis D in Verbindung mit Hepatitis B 18 Prozent der Leberzirrhosen und 20 Prozent der Leberzellkarzinome auslöst. Bei einer Superinfektion werden Krankheitsverläufe nochmals stark beschleunigt.  

Über Jahrzehnte hatte die Medizin keine zufriedenstellend wirksame Therapie gegen das HDV-Virus. Neben der Off-Label-Anwendung von Interferonen bestand oft nur in einer Lebertransplantation die einzige Überlebenschance für die Betroffenen. Seit 2020 ist Hepatitis D endlich behandelbar. Ein in Deutschland erforschter und entwickelter Virusblocker wurde zur Behandlung zugelassen. 

Risikofaktoren Hepatitis D

Auch wenn Deutschland zu den Ländern mit geringer Ausbreitung von Hepatitis B und D zählt, haben aufgrund der Übertragungswege folgende Personengruppen ein besonders hohes Risiko, an einer Hepatitis D zu erkranken: 

  • Menschen mit häufig wechselnden Sexualkontakten
  • Personen, die beruflich mit Blut oder Blutprodukten umgehen (vor allem im Gesundheitswesen)
  • Drogenabhängige, die gemeinsam Spritzbestecke nutzen
  • Neugeborene von Hepatitis B-infizierten Müttern
  • Menschen aus Herkunftsländern mit weiter Verbreitung von Hepatitis B

Impfung gegen Hepatitis D

Das Bild zeigt einen Impfpass sowie eine Nadel. Im Impfpass ist bei Hepatitis B ein Kreuz, was zeigt, dass die Person gegen Hepatitis B geimpft wurde.
Die sicherste Methode gegen die Ansteckung von Hepatitis D: Die Impfung gegen Hepatitis B. | © Zerbor

Da das HDB vom gleichzeitigen Vorhandensein von HBV abhängig ist, kannst du dich mit einer Impfung gegen Hepatitis B auch weitestgehend vor einer Hepatitis D-Infektion schützen. Dies gilt allerdings nicht, wenn du bereits an einer chronischen Hepatitis B leidest. Die STIKO empfiehlt eine Grundimmunisierung bei Kindern und jungen Erwachsenen im Kindesalter und Auffrischungsimpfungen. Für die Hepatitis-B-Impfung gibt es bereits seit langem hochwirksame und gut verträgliche Impfstoffe, die über lange Zeit Schutz gegen eine Hepatitis-B-Infektion bieten. Daher hat die Impfung gegen Hepatitis B als Schutz gegen Hepatitis D nach wie vor höchste Priorität im Gesundheitswesen.

Vorbeugung von Hepatitis D

Mit gezielten Maßnahmen kannst du das Risiko minimieren, dich mit Hepatis D anzustecken. 

  • geschützter Geschlechtsverkehr durch Gebrauch eines Kondoms
  • Tragen von Schutzhandschuhen bei Kontakt mit fremdem Blut
  • nur einmaliges Verwenden von Spritzen
  • keine gemeinsame Verwendung von Zahnbürsten, Rasierern und anderen persönlichen Gegenständen zur Körperpflege
  • zertifizierte Tattoo- und Piercing-Studios mit entsprechender Hygiene wählen

Viele Millionen Menschen sind weltweit mit HDV infiziert, vor allem in Gebieten, in denen es viele Hepatitis B-Infektionen gibt. Dazu zählen die Mongolei, Pakistan, Russland, der Balkan, Brasilien, Süditalien, Zentralafrika und der Vordere Orient. Allerdings gibt es zu vielen Ländern keine aussagkräftigen Daten. Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass weltweit 4,5 Prozent der Hepatitis B-Infizierten darüber hinaus mit Hepatitis D infiziert sind. Vor Reisen empfiehlt sich daher besonders, den Impfschutz zu überprüfen. 

Wie kann Doktor.de bei Hepatitis D helfen?

Wenn du den Verdacht hast, dass du dich mit Hepatitis D angesteckt hast, können dich die mit Doktor.de kooperierenden Ärzt:innen unterstützen. Sie beurteilen die Symptome und beraten dich. Zur weiterführenden Diagnostik und Behandlung von Hepatitis D suchst du eine Fachärztin oder einen Fachmediziner auf. 

Quelleninformationen:

Dieser Text wurde von Mediziner:innen geprüft und entspricht medizinischen Leitlinien. 

Robert Koch Institut. 20.05.2016. Hepatitis B und D. RKI Ratgeber.

Bundesministerium für Bildung und Forschung. 2021. Hepatitis D wird endlich behandelbar.

Bundesministerium Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz. 30.09.2019. Hepatitis D. 

Letztes Update: 2022-09-19