Nikotinabhängigkeit

Etwa jede:r dritte Deutsche raucht. Da es sich um eine körperliche und psychische Abhängigkeit handelt, fällt das Aufhören häufig sehr schwer. Raucher:innen haben eine um mehrere Jahre verkürzte Lebenserwartung. Das Risiko für Krebserkrankungen der Lunge, des Mundes und des Kehlkopfes sowie für andere Erkrankungen der Lunge und des HerzKreislauf-Systems ist stark erhöht. Für eine Rauchentwöhnung stehen verschiedene Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. 

Symptome von Nikotinabhängigkeit

Verzichten Raucher:innen für einige Stunden auf Nikotinzufuhr, machen sich Entzugserscheinungen bemerkbar, die den erneuten Griff zur Zigarette wahrscheinlich machen. Zunächst spüren sie ein Verlangen, zu rauchen, sowie Ängste, Ungeduld und Konzentrationsschwierigkeiten. Verzichten sie weiterhin auf die Zigarette, kann ihnen schwindlig werden, da die Herzschlagrate und der Blutdruck sinken. Viele berichten auch über Hungergefühle. Nach mehreren Tagen ohne Nikotin erleben einige Raucher:innen eine Gewichtszunahme, Stimmungseinbrüche und Schlafstörungen. Diese Entzugserscheinungen erklären sich vor allem über die körperliche Abhängigkeit vom Suchtstoff Nikotin. Aber auch psychische Faktoren tragen zu den Entzugserscheinungen bei, da das Rauchen innerhalb bestimmter Rituale sowie in der gewohnten Gesellschaft wegfällt. 

Entzugserscheinungen halten oft mehrere Wochen an. 

Ursachen einer Nikotinabhängigkeit

Die meisten beginnen im Rahmen einer sozialen Situation mit dem Rauchen, zum Beispiel wenn dadurch die Akzeptanz im Freundeskreis erhöht wird. Die Entwicklung einer körperlichen Abhängigkeit beruht auf der Wirkung des Nervengiftes Nikotin. Es führt im Gehirn unter anderem zu einer Ausschüttung des Botenstoffes Dopamin, der mit dem Belohnungssystem verknüpft ist. Dies sorgt für einen Entspannungseffekt, eine Stimmungsverbesserung und ein gutes Konzentrationsvermögen. Die körperliche Abhängigkeit von Nikotin entwickelt sich rasch. 

Die psychische Abhängigkeit entsteht über den Lernprozess der positiven Effekte des Rauchens. Daneben entsteht eine Kopplung bestimmter Situationen mit dem Rauchen. 

Behandlung einer Nikotinabhängigkeit

Viele Raucher:innen benötigen mehrere Anläufe für die Entwöhnung. Für die Behandlung stehen im Wesentlichen folgende Strategien zur Verfügung. 

  • Einzel- oder Gruppenpsychotherapie
  • Nikotinersatzverfahren
  • Medikamentöse Therapie
Psychotherapeutische Gruppen- und Einzeltherapie 

In der sogenannten kognitiven Verhaltenstherapie werden Strategien herausgearbeitet, die einen Umgang mit den Entzugserscheinungen und dem Rauchverlangen erleichtern. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Entkopplung des Rauchens von täglichen Ritualen und Situationen. Praktikable Ersatzhandlungen werden gemeinsam erarbeitet. Eine große Bedeutung hat zudem die Förderung der Motivation, das Rauchen aufzugeben. Vor- und Nachteile des Rauchens werden wiederholt besprochen. 

Nikotinersatzverfahren 

Die Idee hinter den Nikotinersatzverfahren ist eine ausschleichende Verminderung der Nikotinmenge, ohne dabei die besonders schädlichen Beistoffe im Zigarettenrauch aufzunehmen. Das Nikotin wird in Form von Kaugummis, Pflastern oder Sprays zugeführt. Das Ausschleichen erfolgt über einen Zeitraum von bis zu 3 Monaten. Eine bei Raucher:innen beliebte Methode der Nikotinersatztherapie ist der Gebrauch einer E-Zigarette. Damit lässt sich in der Tat die Nikotinmenge langsam herunterdosieren. Das Vorgehen ist unter Fachleuten umstritten, da auch im Dampf der E-Zigarette neben dem Nikotin weitere Schadstoffe enthalten sind. Zudem wird befürchtet, dass die Erfolgsquote geringer ist als bei anderen Nikotinersatzverfahren, da der erneute Griff zur Zigarette niederschwelliger erfolgt. 

Medikamente zur Raucherentwöhnung 

In Deutschland gibt es drei für die Raucherentwöhnung zugelassene, jeweils verschreibungspflichtige Medikamente: 

  • Bupropion
  • Vareniclin
  • Cytisin

Bupropion ist ein antidepressives Medikament, das bestimmte Botenstoffe, darunter Dopamin, länger im Gehirn verfügbar macht. Mit der Einnahme kann man bereits starten, während man noch raucht. Die Dosis wird nach einer Woche gesteigert. Das Medikament wird für etwa zwei Monate eingenommen. Aufgrund der Nebenwirkungen wie Herzrasen, Blutdrucksteigerung und mögliche Krampfanfälle ist die Therapie mit Bupropion nicht die erste Wahl. 

Vareniclin vermindert die Wirkung des Nikotins beim Rauchen, während es gleichzeitig die Entzugserscheinungen dämpft. Damit verliert das Rauchen einen Teil seines Reizes. Leider hat auch Vareniclin Nebenwirkungen, die das Medikament nur in zweiter Wahl empfehlenswert machen. Diese bestehen in Übelkeit und Schlafstörungen. Zudem kann Vareniclin Stimmungsschwankungen bis hin zu Suizidgedanken auslösen, sodass es zumindest für Raucher:innen mit einer Depression nicht geeignet ist. Die Therapie dauert etwa drei Monate. 

Cytisin ist erst seit Kurzem auf dem deutschen Markt erhältlich, wird aber bereits seit Jahrzehnten in Osteuropa zur Raucherentwöhnung eingesetzt. Es handelt sich dabei um ein Gift, das im Goldregen vorkommt. Die Wirkung ähnelt der des Vareniclin und somit auch das Nebenwirkungsprofil, wobei unter Cytisin keine Suizidgedanken berichtet wurden. 

Ergänzende Strategien bei der Raucherentwöhnung 

Einer Unterstützung durch das Umfeld kommt eine enorm große Bedeutung zu. Auch der Besuch von Selbsthilfegruppen oder die Nutzung von Rauchstopp-Apps oder -Büchern leistet einen wichtigen Beitrag bei der Raucherentwöhnung. 

Daneben gibt es einige Hausmittel, die unterstützend gebraucht werden können. Dazu gehören beruhigende pflanzliche Mittel wie Baldrian, Lavendel oder Hopfen sowie hochwertige Pflanzenöle mit Omega-3-Fettsäuren. 

Hilfe bei Nikotinabhängigkeit mit Digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA) 

Eine weitere Behandlungsmöglichkeit der Nikotinsucht sind DiGA, die von Ärzt:innen verschrieben werden können. DiGA sind Apps, die durch Ärzt:innen auf Kosten der Krankenkasse verordnet werden können und mit der du deine Behandlung gegen eine Nikotinabhängigkeit eigenständig durchführen kannst. Mehr zum Thema DiGA findest du auf unserer DiGA-Seite. 
Ob eine DiGA die beste Behandlungsoption ist, muss aber zunächst in einem ärztlichen Gespräch geklärt werden. Dazu kannst du von unseren Kooperationsärzt:innen bei Doktor.de eine professionelle Beratung bekommen. 

Wie kann Doktor.de mir bei einer Nikotinabhängigkeit helfen?

Auf Doktor.de kannst du Fragen zur Nikotinabhängigkeit stellen. Auch zu Nebenwirkungen der Entzugsmedikamente kannst du dich beraten lassen. Doktor.de sagt dir außerdem, wo du ein Rezept für solche Medikamente bekommen kannst. 

Quelleninformationen: 

Dieser Text wurde von Mediziner:innen geprüft und entspricht medizinischen Leitlinien. 

Klaus Lieb et al.: Intensivkurs Psychiatrie und Psychotherapie. Elsevier GmbH. Deutschland 2019. ISBN 978-3-437-23491-0. 

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). 06.04.2022. Rauchen. Gesundheitsinformation.de.

Dr. Maucher, I. 11.01.2021. Neueinführung Asmoken bei Nikotinabhängigkeit. Gelbe Liste.

Letztes Update: 2022-10-18