Das runde Piktogramm mit mintgrünem Hintergrund zeigt das Gesicht einer Person, welches ängstlich schaut. Zudem laufen der Person Tränen über das Gesicht. Zudem ist auf dem Piktogramm ein gebrochenes Herz zu sehen.
Panikstörung

Angst ist eine überlebenswichtige Reaktion des Menschen. Ein ganz normaler Zustand, der sehr wichtig sein kann, um schnell auf Situationen zu reagieren. Dabei muss Angst kein lähmendes Gefühl sein, sondern kann in bestimmten Situationen sogar mobilisieren. In riskanten oder riskant empfundenen Situationen werden die Hormone Adrenalin und Noradrenalin ausgeschüttet. Dies führt dazu, dass das Herz schneller schlägt, das Blut bindet mehr Sauerstoff und der Körper kann in einen Zustand fallen, den Expert:innenfight or flight” (Kämpfe oder Fliehe) nennen. Bei manchen Menschen können die Zustände der Angst auch ohne erkennbaren Grund in Form von Panikattacken auftreten, die eine extreme körperliche Angstreaktion sind. Treten vermehrt einzelne Panikattacken auf, kann sich eine Panikstörung entwickeln, die eine Form der Angststörung ist. Die Angstanfälle treten in Form von Panikattacken auf, Panikattacken können entweder als psychogene, also psychisch verursachte Störung vorkommen oder als Symptom im Rahmen körperlicher Erkrankungen, zum Beispiel bei Schilddrüsenerkrankungen, Herzerkrankungen oder auch Erkrankungen der Nebenniere. 

Panikstörung und Panikattacke: Was ist der Unterschied? 

Eine Panikattacke ist eine kurze Zeitspanne, in der die betroffene Person ein intensives Unbehagen, Angst oder Furcht verspürt, kombiniert mit verschiedenen körperlichen, psychischen und allgemeinen Symptomen. Das Auftreten vereinzelter Panikattacken im Leben stellt keine Erkrankung an einer Panikstörung dar. Erst wenn mehrere Panikattacken im Monat auftreten und sich vermehrt eine Angst vor der Angst entwickelt, sprechen Ärzt:innen von einer Panikstörung. Diese Angst wird auch als Erwartungsangst bezeichnet. Diese hält sich über einen längeren Zeitraum, in der Regel mindestens einen Monat und beeinträchtigt den Alltag. Die Angst davor plötzlich eine Panikattacke zu erleben, vor allem in einer Situation, der man nicht so schnell entfliehen kann oder in der keine Hilfe verfügbar ist, führt häufig dazu, dass Betroffene beginnen enge Räume, Menschenansammlungen oder auch weite Reisen, zu vermeiden. In schweren Fällen können sie die eigene Wohnung nicht verlassen.  

Ungefähr vier Prozent aller Menschen erkranken im Laufe ihres Lebens an einer Panikstörung. Die Störung bricht in der Regel zwischen dem 15. und 24. Lebensjahr aus, kann jedoch insbesondere bei Frauen erst im dritten oder vierten Lebensjahrzehnt ausbrechen. Generell sind Frauen häufiger von einer Panikstörung betroffen als Männer.  

Symptome einer Panikstörung

Bei den meisten Betroffenen treten die Symptome einer Panikattacke meist sehr spontan und ohne Ankündigung auf. Die Symptome können sehr vielseitig sein und jede Panikattacke kann individuelle Symptome hervorrufen. Die Beschwerden lassen sich in folgende Kategorien aufteilen:  

Körperliche Symptome  
  • Hyperventilation  
  • Ein Gefühl der Enge in der Brust – teilweise mit Erstickungsgefühl 
  • Herzrasen – gelegentlich auch Herzschmerzen  
  • Zittern 
  • Schweißausbrüche  
  • Taubheitsgefühl und Kribbeln 
  • Übelkeit  
  • Schwindel  
Psychische Symptome  
  • Schwindelgefühle 
  • Derealisation 
  • Depersonalisation 
  • Angst vor Kontrollverlust oder “verrückt” zu werden  
  • Angst zu sterben 
Allgemeine Symptome  
  • Hitzegefühl 
  • Kälteschauer mit Gänsehaut 

Wie stark sich die Symptome äußern, ist sehr individuell – nicht nur von Person zu Person, sondern auch von Panikattacke zu Panikattacke. Nach einer Panikattacke fühlen sich die meisten Betroffenen meist erschöpft und ausgelaugt. Ebenfalls ist es sehr individuell, wie lange eine Attacke andauert. In der Regel dauert eine Panikattacke einige Minuten an und klingt meist von alleine wieder ab. In seltenen Fällen kann eine Attacke bis zu 30 Minuten oder einem Tag andauern.

Häufen sich die Panikattacken und treten in Verbindung mit einem bestimmten Ort oder einer bestimmten Situation auf, versuchen Erkrankte dieses zu vermeiden. Die Folge: Menschen mit einer Panikstörung können sich immer mehr aus dem sozialen Leben zurückziehen.  

Diagnose einer Panikstörung

Auf dem Bild ist eine Frau zu sehen, die ihre Hände auf ihre Schultern gelegt hat und verängstigt zur Seite schaut. Ihr Blick ist traurig.
Um Menschen, die an einer Panikstörung erkrankt sind, zu behandeln, ist eine umfangreiche Diagnostik notwendig.| © PeopleImages

Für die Diagnose einer Panikstörung müssen wiederholte Panikattacken vorliegen und eine organische Ursache medizinisch ausgeschlossen worden sein. Eine Panikattacke wird definiert als eine einzelne Episode von intensiver Angst oder Unbehagen, die abrupt beginnt, innerhalb weniger Minuten ein Maximum erreicht, mindestens einige Minuten dauert und von mindestens vier Angstsymptomen begleitet wird. Mindestens ein Symptom davon muss von vegetativer Art sein, wie zum Beispiel Herzklopfen oder Schweißausbrüche. Die Panikstörung wird häufig im Zusammenhang mit einer Agoraphobie diagnostiziert. 

Bevor die Diagnose einer Panikstörung, im Sinne einer psychischen Störung gestellt werden kann, müssen körperliche Ursachen medizinisch ausgeschlossen werden. Diesen wären zum Beispiel endokrinologischer, neurologischer, kardiologischer oder onkologischer Herkunft. Diagnostisch abzugrenzen sind auch Panikattacken, die im Zusammenhang mit Phobien oder im Kontext einer depressiven Störung auftreten. 

Eine eindeutige Diagnose setzt voraus, dass innerhalb eines Monats mehrmals ein schwerer Angstanfall erfolgt ist. Die Situation, in der die Angstanfälle auftreten, müssen frei von objektiven Gefahren sein. Ebenso dürfen die Angstanfälle sich nicht auf Situationen beziehen, in denen bekannterweise oder vorhersagbar Angst auftritt. 

Ursachen einer Panikstörung

Die Gründe, warum sich eine Panikstörung entwickeln kann, sind sehr vielfältig und es bedarf einer umfangreichen Anamnese, warum Panikattacken oder eine Panikstörung auftritt.  

Es gibt einige Risikofaktoren, die das Entstehen einer Panikstörung begünstigen können:  

  • Erhöhter Stress 
  • Familiäre Veranlagung 
  • Andere psychische Erkrankungen wie Depressionen, posttraumatische Belastungsstörungen oder Zwangsstörungen  
  • Angststörungen und phobische Störungen, wie zum Beispiel Agoraphobie 
  • Traumatische und belastende Lebensereignisse  
  • Ängstliche Persönlichkeitsfacetten  
  • Körperliche Ursachen, wie Herzerkrankungen, Schilddrüsenerkrankungen, Erkrankungen der Atemwege, Nervenerkrankungen 
  • Ungleichgewicht zwischen den Botenstoffen Serotonin und Noradrenalin  

Behandlung einer Panikstörung

Eine Panikstörung kann das Leben des Betroffenen massiv einschränken. Daher ist es sehr wichtig, dass Betroffene sich schnell professionelle Hilfe holen. Dabei richtet sich die Behandlung einer Panikstörung nach der Ursache. Zu unterscheiden ist zwischen einer “echten”, also einer psychisch bedingten Panikstörung oder den Paniksymptomen in Folge einer körperlichen Erkrankung. Die psychogene Panikstörung lässt sich in der Regel sehr gut therapeutisch behandeln. Vor allem kognitive Verhaltenstherapien haben sich als wirksam erwiesen. Die Patient:innen lernen in der Therapie, wie sie mit möglichen Panikattacken umgehen können. Etwa 80 Prozent der Patient:innen haben nach dem erfolgreichen Abschluss einer Therapie keine Panikstörung mehr.  

Parallel zur Verhaltenstherapie können Ärzt:innen bei Bedarf Medikamente verschreiben. In der Regel wird Antidepressivum eingesetzt, welches die übermäßige Angst unterdrücken kann. In vereinzelten Fällen können auch Medikamente verschrieben werden, die beruhigend wirken. Jedoch ist das Suchtpotential bei Beruhigungsmitteln sehr hoch, sodass sie nur über einen kurzen Zeitraum und mit Abstimmung des behandelnden Arztes oder Ärztin eingenommen werden sollten. 

Regelmäßige Bewegung und Sport können bei Panikattacken ebenfalls Linderung schaffen. Mediziner:innen empfehlen Patient:innen mit Panikstörungen daher, mindestens dreimal wöchentlich Ausdauersport wie Sport, Radfahren, Schwimmen oder ähnliches zu betreiben.  

Weiterhin kann es für Betroffene sinnvoll sein, ein Symptomtagebuch zu führen, in dem sie festhalten, wann und wo eine Panikattacke aufgetreten ist.  

Erste Hilfe bei einer Panikattacke

Obwohl die meisten Panikattacken aus dem Nichts auftreten und sich viele Betroffene ihrer Angst hilflos ausgeliefert fühlen, gibt es einige Verhaltensweisen, die helfen könnte, eine akute Panik zu überwinden:  

  • Atemübungen beruhigen das Nervensystem: Betroffene sollten sich auf ihre Atmung fokussieren. Hierzu sollten sie durch die Nase einatmen und bis vier zählen. Danach wird die Luft angehalten und erneut bis vier gezählt. Durch den Mund wird ausgeatmet und dabei ebenfalls bis vier gezählt. Dies kann so lange wiederholt werden, bis die Panik abklingt.  
  • Gedanken steuern: Wichtig ist, dass Betroffene während einer Panikattacke ihre Gedanken weg von der lebensbedrohlichen Situation zu einem Gedanken lenken, dass die Panikattacke bald vorbei ist und ihnen nichts passieren wird.  
  • Akzeptanz: Zu akzeptieren, dass man gerade eine Panikattacke erleidet, ist ein wichtiger Schritt, um nicht in der Panik unterzugehen.  
  • Wasser: Betroffene können sich warmes Wasser in ihr Gesicht spritzen oder über ihre Unterarme laufen lassen. Das warme Wasser führt dazu, dass sich der Herzschlag verlangsamen kann.  

Hilfe bei einer Panikstörung mit Digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA)

Da es in Deutschland in der Regel mehrere Wochen bis Monate dauern kann, einen Therapieplatz zu erhalten, können Ärzt:innen dir eine DiGA gegen eine Panikstörung während der Wartezeit verschreiben. DiGA sind Apps, die durch Ärzt:innen auf Kosten der Krankenkasse verordnet werden können und mit der du deine Behandlung gegen eine Panikstörung eigenständig durchführen kannst. Mehr zum Thema DiGA findest du auf unserer DiGA-Seite. Ob eine DiGA die beste Behandlungsoption ist, muss aber zunächst in einem ärztlichen Gespräch geklärt werden. Dazu kannst du von unseren Kooperationsärzt:innen bei Doktor.de eine professionelle Beratung bekommen. 

Wie kann Doktor.de bei einer Panikstörung helfen?

Wenn du dich in den Symptomen einer Panikstörung wiedererkennst, solltest du dir frühzeitig professionelle Hilfe holen. Die meisten Menschen, die unter einer Panikstörung leiden, suchen zu spät eine Behandlung auf. Frühzeitige Hilfe bietet die Möglichkeit einer schnelleren Genesung und reduziert das Risiko langfristiger Symptome. Unsere erfahrenen Kooperationsärzt:innen helfen dir bei der Beurteilung der Symptome, beraten und behandeln dich, wobei auch Gesundheits-Apps auf Rezept verordnet werden können (sogenannte DiGA). 

 

Quelleninformationen:

Dieser Text wurde von Mediziner:innen geprüft und entspricht medizinischen Leitlinien. 

Barnhill, J. W. 06.2018. Panikattacken und Panikstörung – Psychische Störungen. MSD Manual Ausgabe für medezinische Fachkreise.

Bandelow, B. 04.2021. Leitlinie Angststörungen. AWMF.

Bandelow, B. 2022. Angsterkrankungen. Neurologen und Psychiater im Netz. 

Bundes Psychotherapeuten Kammer. 2022. Panikattacken und Panikstörung. BPtK.

Charité. Angstambulanz. Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie.

 

Letztes Update: 2022-06-30