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Ringelröteln

Ringelröteln (medizinisch Erythema infectiosum) sind eine gewöhnlich sehr mild verlaufende virale Infektionskrankheit, die häufig bereits im Kindesalter durchgemacht wird. Typischerweise kommt es zu einem roten Hautausschlag auf den Wangen und am Körper. Eine Behandlung ist in der Regel nicht erforderlich. Potentiell problematisch sind Ringelröteln jedoch in der Schwangerschaft. Neben Röteln, Scharlach, Masern und Windpocken sind Ringelröteln die fünfte Kinderkrankheit, die Ausschlag verursachen kann, daher wird die Erkrankung auch als fünfte Krankheit bezeichnet. Ringelröteln und Röteln werden von unterschiedlichen Viren ausgelöst, die Symptome beider Erkrankungen erlauben in der Regel eine klare Unterscheidung. 

Symptome von Ringelröteln

Das Bild zeigt ein Kleinkind, welches auf dem Bauch eine starke Ausprägung von Ringelröteln hat.
Vor allem Kinder erkranken an Ringelröteln. Symptomatisch für die Krankheit ist ein hochroter Ausschlag. | _jure

An Ringelröteln erkranken in erster Linie Kinder: Etwa 70 Prozent der Fälle betreffen Fünf- bis Fünfzehnjährige. Die Krankheit kann mit leichtem Fieber und Mattigkeit beginnen, sehr häufig ist das Allgemeinbefinden jedoch kaum beeinträchtigt. Hautsymptome zeigen sich zuerst im Gesicht. Typisch ist ein fleckiger, hochroter Ausschlag auf den Wangen, während Kinn und Mundregion ausgespart bleiben: Ärzte sprechen vom Schmetterlings-Erythem. Nach ein bis drei Tagen erscheint der Ausschlag auch am Rumpf, an den Armen und an den Oberschenkeln. Die anfangs vereinzelten roten Pünktchen vereinen sich häufig zu größeren Flecken. Bei älteren Kindern verursacht der Ausschlag mitunter leichten Juckreiz. Bei ansonsten komplett wiederhergestelltem Allgemeinbefinden halten die Hauterscheinungen für ein bis drei Wochen an. Sonnenlicht, körperliche Anstrengung und Stress können den Ausschlag wieder verstärken. 

Häufig entwickeln Kinder, die sich mit Ringelröteln angesteckt haben, auch keinerlei Symptome. In jedem Fall führt eine durchgemachte Infektion zu lebenslanger Immunität gegen den Erreger der Ringelröteln.

Ringelröteln bei Erwachsenen 

Bei Jugendlichen und Erwachsenen, die sich mit Ringelröteln anstecken, verursacht die Infektion relativ häufig Gelenkbeschwerden. Überwiegend sind die Gelenke der Hände, Knie- und Knöchelgelenke betroffen, aber auch jedes andere Gelenk kann schmerzhafte Entzündungssymptome zeigen. Auch diese Beschwerden klingen in der Regel nach zwei bis vier Wochen folgenlos ab. In seltenen Fällen kommt es zu langwierigeren Verläufen. 

Unterschied zu Röteln 

Der bei Röteln auftretende typische Hautausschlag ist feiner und flüchtiger als der fleckige Ausschlag bei Ringelröteln. Mund- und Kinnpartie sind nicht ausgespart. Der Röteln-Ausschlag bildet sich meist schon innerhalb von drei Tagen zurück. 

 

Ursache von Ringelröteln

Die Ursache von Ringelröteln ist eine Ansteckung mit einem Virus, dem sogenannten Parvovirus B19. Die Ansteckung erfolgt durch Einatmen in der Luft schwebender virenhaltiger Tröpfchen, die Infizierte beim Atmen, Sprechen oder Husten freisetzen. Die Erkrankung ist insbesondere während der eine bis drei Wochen dauernden Inkubationszeit ansteckend, so dass Ausbrüche in Kindergärten und Schulen kaum gestoppt werden können. Tritt der Ausschlag auf, ist die Ansteckungsgefahr schon wieder weitgehend vorüber, daher dürfen Kinder mit dem typischen Ringelröteln-Ausschlag weiterhin Gemeinschaftseinrichtungen besuchen. 

Das Ringelröteln-Virus kann auch durch Transfusionen von Blut und Plasmaprodukten übertragen werden, zum Beispiel bei der Behandlung von Bluter-Patient:innen mit Gerinnungsfaktoren. Etwa die Hälfte aller Erwachsenen weist Antikörper gegen das Parvovirus B19 als Zeichen einer durchgemachten Ringelröteln-Infektion auf. 

Komplikationen von Ringelröteln

Wie viele andere Viruserkrankungen kann auch eine Infektion mit Ringelröteln in sehr seltenen Fällen zu einer Herzmuskelentzündung (Myokarditis) oder zu Nierenentzündungen (Glomerulonephritis) führen. 

Bei Patient:innen mit bereits bestehenden Bluterkrankungen kann es zur sogenannten transienten aplastischen Krise kommen, einem Versagen der blutbildenden Zellen im Knochenmark mit ausgeprägtem Mangel an roten Blutzellen (Anämie). 

Bei Patient:innen mit geschwächtem Immunsystem können auch chronische Krankheitsverläufe auftreten, die durch eine chronische Anämie gekennzeichnet sind. 

Ringelröteln in der Schwangerschaft

In der Schwangerschaft ist eine Infektion mit Ringelröteln gefährlich. Sie kann auf das ungeborene Kind übertragen werden, befällt dort die blutbildenden Zellen in Knochenmark und Leber sowie das Herz und verursacht eine schwere Blutarmut, die schlimmstenfalls zu einer Totgeburt führen kann. Die Krankheitserreger können im Fruchtwasser nachgewiesen werden. Das Risiko einer Schädigung des Fötus ist im ersten und zweiten Drittel der Schwangerschaft am höchsten. 

Bei Verdacht auf Ringelröteln in der Schwangerschaft wird das Befinden und Wachstum des Kindes in engmaschigen Ultraschalluntersuchungen überwacht. Wichtigstes Zeichen für eine gefährliche Ringelröteln-Infektion des Ungeborenen ist der sogenannte fetale Hydrops. Dabei handelt es sich um Ansammlungen von Flüssigkeit unter der Haut und in den Körperhöhlen des Fetus, die im Ultraschall diagnostiziert werden können. Zeigen sich Komplikationen, besteht die Möglichkeit von Bluttransfusionen über die Nabelschnur. 

Die meisten Kinder, die im Mutterleib eine Ringelröteln-Infektion durchgemacht haben, werden letztlich gesund geboren; Fehlbildungen durch das Virus, wie sie bei Röteln-Infektionen in der Schwangerschaft auftreten, sind nicht bekannt. 

Behandlung von Ringelröteln

Eine ursächliche antivirale Behandlung gegen das Parvovirus B19 steht nicht zur Verfügung. Der in der Regel milde Verlauf der Erkrankung erfordert meist auch keine Behandlung.  

Treten bei Kindern mit Vorerkrankungen im Zusammenhang mit Ringelröteln Blutarmut oder andere Komplikationen auf, können Infusionen von Immunglobulinen (Antikörpern) den Körper bei der Beseitigung der Viren unterstützen. Starke Blutarmut wird mit Bluttransfusionen behandelt. 

Wie kann Doktor.de mir bei Ringelröteln helfen?

Die mit Doktor.de kooperierenden Mediziner:innen können sich den bei dir oder bei deinem Nachwuchs auftretenden Ausschlag ansehen und anhand dessen und der weiteren Symptome beurteilen, ob es sich wahrscheinlich um eine Ringelröteln-Erkrankung handelt. Gern werden sie dich zum Verlauf der Erkrankung beraten. Bei Gelenkbeschwerden oder ausgeprägten Krankheitssymptomen empfehlen wir dir, eine ärztliche Sprechstunde aufzusuchen. 

 

Quelleninformationen:

Dieser Text wurde von Mediziner:innen geprüft und entspricht medizinischen Leitlinien. 

William C. Koch: Parvoviruses. In: Robert M. Kliegman: Nelson Textbook of Pediatrics. Chapter 251, S. 1568. Elsevier (2015).

Parvovirus B19. Stellungnahmen des Arbeitskreises Blut des Bundesministeriums für Gesundheit. (2010) Bundesgesundheitsblatt 53:944–956. 

Letztes Update: 2022-07-28