Das runde Piktogramm mit mintgrünem Hintergrund zeigt das Gesicht einer Person, welches ängstlich schaut. Zudem laufen der Person Tränen über das Gesicht. Zudem ist auf dem Piktogramm ein gebrochenes Herz zu sehen.
Saisonale Depression

Die saisonale Depression ist eine Sonderform der Depression, die wiederkehrend nur zu bestimmten Zeiten im Jahr auftritt. Meist handelt es sich um die lichtarmen Jahreszeiten Herbst und Winter. Sie wird daher auch als Winterdepression bezeichnet und betrifft weltweit betrachtet bis zu 10 Prozent der Bevölkerung, wobei die nördlichen Länder führen. Frauen leiden deutlich häufiger an der saisonalen Depression als Männer. 

Symptome einer Saisonalen Depression

Gelegentliche Stimmungstiefs kennt jeder Mensch. Auch eine tageweise Antriebslosigkeit und Unlust in der dunklen Jahreszeit betrifft viele, der sogenannte Winterblues. Bei einer Winterdepression sind diese Beschwerden jedoch stärker ausgeprägt und dauern durchgängig mindestens zwei Wochen an. Sie beeinträchtigen dadurch das Leben in stärkerem Ausmaß bis hin zur Arbeitsunfähigkeit. Typische Symptome der Winterdepression sind: 

  • gedrückte Stimmung, Traurigkeit
  • reduzierter Antrieb, Energielosigkeit
  • erhöhtes Schlafbedürfnis, Tagesmüdigkeit
  • Lust auf kohlenhydratreiche Nahrungsmittel, vor allem Süßigkeiten
  • Freudlosigkeit, Interessenverlust
  • verringertes Selbstwertgefühl, Schuldgefühle
  • Konzentrationsschwäche
  • negative Denkinhalte, Hoffnungslosigkeit

Nicht jeder Betroffene zeigt alle Symptome, sie können auch recht verschieden ausgeprägt sein. Manche erleben eine schwankende Stimmung im Verlauf des Tages, häufig mit einem Morgentief und einer Besserung zum Abend hin. 

Bei einer schweren Depression können die negativen Gedanken wahnhafte Züge annehmen, sogar Halluzinationen können vorkommen. Im Rahmen saisonaler Depressionen ist dies allerdings selten der Fall. Die Ausprägung der Symptome ist typischerweise leicht bis mittelschwer. Bei vielen Betroffenen endet diese Form der Depression mit dem Frühlingsbeginn und kann dann sogar in eine überdurchschnittlich gehobene Stimmung umschlagen. 

Umgang für Angehörige und Betroffene

Hoffnungslosigkeit mit Gedanken an den Tod kann so stark werden, dass es zu konkreten Suizidplänen oder gar –versuchen kommt. Bei einer Winterdepression ist dies selten, aber nicht ausgeschlossen. Angehörige sollten diesbezüglich besonders aufmerksam sein und bei Verdacht auf einen bevorstehenden Suizid professionelle Hilfe hinzurufen, notfalls ist der Rettungsdienst zu verständigen.

Notfallkontakt: Solltest du keinen Ausweg mehr sehen, dann kannst du dich an verschiedene Stellen wenden. Neben den Hilfsangeboten von Einrichtungen in deiner Nähe, kannst du Hilfe auch anonym und kostenlos per Telefon oder online erhalten.  

Allgemeine Kontaktadressen

Telefonseelsorge, bundeseinheitliche Nummern 

  • Tel. 0800-111 0 111 (Evang.)
  • Tel. 0800-111 0 222 (Kath.)
  • Tel. 116 123

Nummer gegen Kummer für Kinder und Jugendliche  

  • Tel. 116 111

Nummer gegen Kummer für Erwachsene 

  • Tel. 0800-111 0 550

Nationale Kontakt – und Informationsstelle (NAKOS) zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen 

  • Tel. 030-31 01 89 60

Ursachen einer Depression

Jeder zehnte Mann und jede fünfte Frau sind in ihrem Leben von einer Depression betroffen. Frauen sind doppelt so häufig von der Erkrankung Depressionen betroffen, da sie im Durchschnitt mehr negative Erlebnisse und Stressfaktoren in ihrem Leben als Männer erfahren. Zudem wird vermutet, dass Frauen reflektierter sind als Männer, das heißt, dass Frauen mehr darüber nachdenken, warum sie gerade bedrückt oder traurig sind, während Männer eher versuchen, sich von negativen Gefühlen abzulenken. Neben dem Geschlecht und kritischer Lebensereignisse, gibt es weitere Risikofaktoren für die Entwicklung einer Depression, wie zum Beispiel ein höheres Alter, der Fakt, dass man geschieden, getrennt oder verwitwet ist und auch der sozioökonomische Status. Ein geringerer sozioökonomischer Status kann mit erhöhten Raten von Depressionen in Verbindung gebracht werden. Auch komorbide Störungen, wie Angststörung oder Persönlichkeitsstörung, können das Risiko an einer Depression zu erkranken, begünstigen. 

Diagnosestellung bei Saisonalen Depressionen

Die Diagnose kann nur durch psychiatrische oder psychotherapeutische Fachleute gestellt werden. Dazu erfolgt eine eingehende Befragung der Betroffenen und häufig zusätzlich von Angehörigen. Wer sich in einer depressiven Episode befindet, kann aufgrund der damit einhergehenden Einschränkungen bisweilen nur spärlich Auskünfte geben. Daher sind die Angaben aus Familie oder Freundeskreis wichtig. Die gleichen Symptome können nämlich auch im Zusammenhang mit anderen psychischen oder körperlichen Erkrankungen stehen, die eine andere Behandlung erfordern. Von einer saisonalen Depression spricht man nur, wenn die Symptome mindestens in zwei Jahren und jeweils zur gleichen Zeit im Jahr aufgetreten sind. 

Zum Ausschluss körperlicher Ursachen für die anhaltend depressive Stimmung werden ergänzend Laboruntersuchungen veranlasst, eventuell auch eine bildgebende Untersuchung des Kopfes durch Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT). 

Ursachen von Saisonalen Depressionen

Die Ursache der Winterdepression scheint im Lichtmangel im Herbst und Winter zu liegen. Das führt zur Annahme, dass die Hormone Melatonin und Serotonin mit der Entstehung der saisonalen Depression zusammenhängen. Ursächlich kommt auch ein Mangel an Vitamin D infrage, dessen Bildung im Körper sonnenlichtabhängig ist. Daneben scheint es weitere Komponenten zu geben, die das generelle Risiko, eine Depression zu entwickeln, erhöhen, zum Beispiel genetische Faktoren. Allgemein wird von einem Zusammenwirken psychosozialer und neurobiologischer Faktoren ausgegangen. Die genauen Ursachen und Ursachenkonstellationen sind bislang ungeklärt. 

Behandlung von Saisonalen Depressionen

Es liegt in der Natur der Symptome einer saisonalen Depression, dass Betroffene oft nicht rechtzeitig Hilfe suchen. Die engsten Bezugspersonen können und sollten hier unterstützend eingreifen und zu einer Behandlung motivieren. Eine erste Anlaufstelle ist die hausärztliche Praxis. 

Es stehen verschiedene Therapien zur Verfügung, die auch kombiniert werden können. Die Ausprägung der Symptome entscheidet im Wesentlichen über die Wahl der Therapiemethode. 

Lichttherapie 

Die saisonale Depression wird in erster Linie per Lichttherapie behandelt. Am einfachsten kann dies über tägliche Spaziergänge im Tageslicht umgesetzt werden. Sollte dies nicht möglich sein, gibt es spezielle Therapielampen, die kein UV-Licht abstrahlen und daher völlig gefahrlos verwendet werden können. Dabei sitzen Betroffene im Abstand von weniger als einem Meter mit geöffneten Augen vor der Lichtquelle. Eine Therapiesitzung dauert 30 bis 45 Minuten. 

Den besten Therapieeffekt erzielt man sehr früh am Morgen. Die Wirkung setzt erst nach ein paar Tagen oder Wochen ein und lässt nach Therapieende rasch nach. Daher sollte eine Lichttherapie bis zum Ende des Winters fortgeführt werden. 

Wer Spaziergänge zur Lichttherapie nutzen kann, profitiert übrigens zusätzlich von der Bewegung, die bei vielen Betroffenen antidepressiv wirkt. 

Psychotherapie und medikamentöse Therapie 

Die Psychotherapie wird für alle Formen der Depression empfohlen. Am bestbewährten ist die kognitive Verhaltenstherapie. In vielen Fällen ist eine längerfristige Behandlung sinnvoll, um weiteren Episoden vorzubeugen. Reichen die vorgenannten Therapien nicht aus, kommen antidepressiv wirkende Medikamente zum Einsatz. Dafür werden am häufigsten moderne, gut verträgliche Antidepressiva verordnet. Alternativ kann auch das pflanzliche Medikament Johanniskraut eingenommen werden.

Hilfe bei einer Saisonalen Depression mit Digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA) 

Da es ist Deutschland in der Regel mehrere Wochen bis Monate dauern kann, einen Therapieplatz zu erhalten, können Ärzt:innen dir eine DiGA gegen Depressionen während der Wartezeit verschreiben. DiGA sind Apps, die durch Ärzt:innen auf Kosten der Krankenkasse verordnet werden können und mit der du deine Behandlung gegen eine leichte depressive Episode eigenständig durchführen kannst. Mehr zum Thema DiGA findest du auf unserer DiGA-Seite. 
Ob eine DiGA die beste Behandlungsoption ist, muss aber zunächst in einem ärztlichen Gespräch geklärt werden. Dazu kannst du von unseren Kooperationsärzt:innen bei Doktor.de eine professionelle Beratung bekommen. 

Vorbeugung einer Saisonalen Depression 

Dauerstress und die Häufung negativer Lebensumstände können die Entstehung einer Depression begünstigen. Das Erlernen stressreduzierender Techniken ist daher ratsam. In anhaltend schwieriger Lebenssituation helfen unterstützende Gespräche oder eine Psychotherapie. Bekannt ist außerdem, dass stabile Beziehungen zu anderen Menschen einen gewissen Schutz vor der Entwicklung von Depressionen bieten. 

Da die saisonale Depression lichtabhängig zu sein scheint, kann der regelmäßige Aufenthalt im Tageslicht hilfreich sein. Im Handel sind zudem spezielle Lampen mit Tageslichtspektrum erhältlich. Der ungefähre Zeitpunkt des Beginns der saisonalen Depression ist den Betroffenen bekannt. Das eröffnet die Möglichkeit, bereits einige Wochen zuvor Therapiemaßnahmen einzuleiten, etwa die Wiederaufnahme psychotherapeutischer Gespräche oder eine medikamentöse Behandlung, sofern sich diese zuvor bewährt hat. 

Wie kann Doktor.de bei einer Saisonalen Depression helfen?

Ergeben sich aus dem Gespräch bei Doktor.de Hinweise auf eine saisonale Depression, kannst du eine Überweisung für eine psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung erhalten. Auf diesem Wege wird dann die für dich passende Therapie eingeleitet. 

Bei intensivem Todeswunsch oder bereits konkreten Suizidplänen ist eine sofortige Behandlung unumgänglich. Wende dich damit direkt an eine psychiatrische oder psychotherapeutische Praxis oder begib dich in die Rettungsstelle eines psychiatrischen Krankenhauses. Hol dir dafür am besten Hilfe und Unterstützung aus Familie oder Freundeskreis, bei Beratungsstellen oder Psychotherapeut:innen. 

Quelleninformationen: 

Dieser Text wurde von Mediziner:innen geprüft und entspricht medizinischen Leitlinien. 

Dieter Ebert et al.: Psychiatrie systematisch, UNI-MED Verlag AG Bremen, 2016, ISBN 978-3-8374-1527-8. 

Klaus Lieb et al.: Intensivkurs Psychiatrie und Psychotherapie, Elsevier GmbH Deutschland, 2019, ISBN 978-3-437-23491-0. 

ThemenCheck Medizin: Herbst-Winterdepression: Führen nichtmedikamentöse Verfahren wie Licht- und Vitamintherapie zu besseren Ergebnissen? Berichtsprotokoll Version 1.0 vom 14.12.2018, HTA-Nummer: HT18-04, Hrsg.: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG).

Letztes Update: 2022-10-17