Das runde Piktogramm mit mintgrünem Hintergrund zeigt das Gesicht einer Person, welches ängstlich schaut. Zudem laufen der Person Tränen über das Gesicht. Zudem ist auf dem Piktogramm ein gebrochenes Herz zu sehen.
Wochenbettdepression

Depressionen können in jeder Lebensspanne auftreten. Die Geburt eines Kindes wird von vielen mit Freude und großem Glück assoziiert. Dennoch erleben viele Mütter nach der Geburt eine kurze Phase, in der sie sich als reizbar, labil, ängstlich und traurig erleben. Hier spricht man dann häufig von einem Baby Blues. Hält das Stimmungstief aber weiter an, kann sich eine ernstzunehmende Erkrankung dahinter verbergen. Die Wochenbettdepression kann schwere Folgen für Mutter und Kind haben und sollte unbedingt ärztlich behandelt werden. 

Symptome von Wochenbettdepressionen

Eine postnatale Depression kann sich durch verschiedene Symptome bemerkbar machen. Zu den typischen Symptomen der Wochenbettdepression gehören unter anderem Appetitstörungen, Schlafstörungen und ein tiefes anhaltendes Erschöpfungsgefühl. Depressionen nach der Geburt können sich auch dadurch zeigen, dass Betroffene Schuldgefühle haben und keine Freude mehr empfinden können. Die Betroffene hat häufig das Gefühl, eine schlechte Mutter zu sein. Oftmals fällt es Betroffenen auch schwer, Gefühle für das Baby zu empfinden. Hinzukommen eine Daueranspannung sowie innerer Stress. Dieser Zustand kann für Betroffene so quälend sein, dass diese keinen Sinn mehr in ihrem Leben sehen und zum Teil sehr düstere Gedanken entwickeln.  

Symptome einer Wochenbettdepression können sein: 

  • Chronische Erschöpfung 
  • Anspannung, Stress 
  • Reizbarkeit 
  • Schlafstörungen 
  • Appetitmangel 
  • Keine Gefühle für das Kind 
  • Freudlosigkeit 
  • Schuldgefühle und Gedanken wie als Mutter nicht gut genug zu sein 
  • Konzentrationsstörungen 
  • Stillprobleme 
  • Suizidgedanken 

Wichtig zu wissen: Eine postnatale Depression darf nicht mit dem sogenannten Baby-Blues verwechselt werden. Bei etwa einem bis zwei Drittel der Mütter tritt nach der Geburt ein postpartales Stimmungstief auf. Hier handelt es sich nicht um eine Erkrankung, auch wenn die Anzeichen wie Traurigkeit und Weinen denen einer Wochenbettdepression ähneln können. Das Stimmungstief verschwindet zumeist innerhalb weniger Stunden oder Tage. 

Ursachen von Wochenbettdepressionen

Eine Frau sitzt auf dem Sofa und schaut ihr schreiendes Baby traurig an.
Wochenbettdepressionen können für Betroffene sehr quälend sein. Wieso manche Frauen nach der Geburt eine pränatale Depression entwickeln, ist noch nicht vollständig geklärt. | © FatCamera

Die Ursachen für Depressionen nach der Geburt sind noch nicht vollständig geklärt. Als möglicher Faktor einer postnatalen Depression gilt die Hormonumstellung. Es wird vermutet, dass die Hormonumstellung nach der Geburt einen Einfluss auf die Entstehung einer Wochenbettdepression hat. 

Neben der Hormonumstellung gibt es noch weitere Faktoren, von denen man annimmt, dass diese das Entstehen einer Wochenbettdepression begünstigen können. Dazu gehören Faktoren, die ganz allgemein zum Auftreten einer psychischen Störung beitragen können. So können beispielsweise die soziale Situation und familiäre Umstände eine Rolle spielen. Auch Mütter, die wenig Unterstützung vom Partner erfahren, tragen ein höheres Risiko für eine Wochenbettdepression. Ähnliches gilt für eine angespannte finanzielle Lage. Schwere und Symptome der Wochenbettdepression hängen sehr stark davon ab, wie groß die Belastung für die Betroffene ist und wie viel Unterstützung sie durch ihr Umfeld erfährt. 

Psychische Erkrankungen, die bereits vor der Schwangerschaft und der Geburt vorhanden waren, erhöhen das Risiko einer postnatalen Depression. Erkrankungen wie Zwangsstörungen, Phobien, Angststörungen, Panikstörungen und Depressionen können die Entstehung dieser Erkrankung begünstigen. Geistige und körperliche Erschöpfung spielen ebenfalls eine Rolle. Schlafmangel, Umstellung des Stoffwechsels sowie die Biografie der Betroffenen und das Kind selbst (Schreikind) können zur Entstehung von Depressionen nach der Geburt beitragen. 

Behandlung von Wochenbettdepression

Die Behandlung einer Wochenbettdepression hängt davon ab, wie stark die Symptome ausgeprägt sind. Je nach Ausprägung der Symptomatik werden Medikamente und Psychotherapie zur Behandlung einer Wochenbettdepression eingesetzt: 

  • Medikamente können besonders schnell zu einer Linderung der Beschwerden beitragen. Oftmals finden Betroffene durch medikamentöse Unterstützung schneller wieder die Kraft, um ihren Alltag zu bewältigen. Gemeinsam mit den behandelnden Ärzt:innen wird die medikamentöse Behandlung besprochen. Diese wird auf Mutter und Kind abgestimmt.  
  • Psychotherapeutische Maßnahmen helfen dabei, über die Erkrankung aufzuklären und einen Weg zum Umgang mit der Situation zu finden. Hier werden häufig auch der Partner und weitere Angehörige einbezogen. Häufig kommen hier die interpersonelle Psychotherapie und die kognitive Verhaltenstherapie zum Einsatz.  
  • Hilfreich kann Unterstützung sein durch Hebammen, Gemeindepfleger:innen, Sozialarbeiter:innen oder andere Betreuungsdienste. Auch Mütter- und Selbsthilfegruppen können eine Hilfe sein. In schweren Fällen ist es möglich, einen stationären Klinikaufenthalt für Mutter und Kind zu organisieren.

Risikofaktoren einer Wochenbettdepression

Bleibt eine postnatale Depression unbehandelt, so besteht das Risiko für schwere Langzeitfolgen bei Mutter und Kind. Hier gilt es, möglichst umgehend professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die Wochenbettdepression gilt als gut behandelbar und häufig wird je nach Ausmaß und Symptomatik eine medikamentöse und psychotherapeutische Behandlung eingeleitet.

Vorbeugung einer Wochenbettdepression 

Depressionen nach der Geburt können nicht immer verhindert werden, aber man kann das Risiko dafür senken. Als wichtige Faktoren zählen hier eine stabile und glückliche Partnerschaft, Unterstützung durch das soziale Umfeld sowie psychische Stabilität. Auch die Aufklärung über diese Erkrankung ist ein wichtiger Faktor, um werdende Eltern für etwaige Symptome zu sensibilisieren. Wer unter einer psychischen Erkrankung leidet, sollte sich möglichst noch vor der Geburt des Kindes psychotherapeutische und ärztliche Unterstützung suchen.  

Wie kann Doktor.de bei einer Depression helfen?

Doktor.de ist deine Anlaufstelle, wenn du mit Ärzt:innen über deine Symptome und Beschwerden sprechen möchtest. Die mit uns kooperierenden Ärzt:innen können dir beratend zur Seite stehen und dich unterstützen, den für dich richtigen Behandlungsweg zu finden. Wochenbettdepression ist kein persönliches Versagen, sondern eine Erkrankung, die behandelt werden kann und muss. Sprich mit deinem behandelnden Arzt oder deiner behandelnden Ärztin über deine Beschwerden.  

Notfallkontakt: Solltest du keinen Ausweg mehr sehen, dann kannst du dich an verschiedene Stellen wenden. Neben den Hilfsangeboten von Einrichtungen in deiner Nähe, kannst du Hilfe auch anonym und kostenlos per Telefon oder online erhalten.  

Allgemeine Kontaktadressen 

Telefonseelsorge, bundeseinheitliche Nummern 

  • Tel. 0800-111 0 111 (Evang.) 
  • Tel. 0800-111 0 222 (Kath.) 
  • Tel. 116 123 

Nummer gegen Kummer für Kinder und Jugendliche  

  • Tel. 116 111 

Nummer gegen Kummer für Erwachsene 

  • Tel. 0800-111 0 550 

Nationale Kontakt – und Informationsstelle (NAKOS) zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen 

  • Tel. 030-31 01 89 60 

Quelleninformationen: 

Dieser Text wurde von Mediziner:innen geprüft und entspricht medizinischen Leitlinien. 

Sonnenmoser, M. 06.2007. Postpartale Depression: Vom Tief nach der Geburt. Ärzteblatt.

Robert Koch-Institut. 02.10.2020. Themenblatt: Depressionen bei Müttern. 

Deutsche Depressionshilfe. o.J. In der Schwangerschaft und nach der Geburt.

Letztes Update: 2022-08-12