Das Piktogramm zeigt einen menschlichen Oberkörper, auf dem drei rote Punkte zu sehen sind. Diese stehen stellvertretend für einen Hautausschlag. Der Oberkörper ist gezeichnet. Das Piktogramm ist rund und der Hintergrund in einem Mintton.
Vitiligo

Vitiligo ist eine chronische, nicht ansteckende Hauterkrankung. Bei der auch als Weißfleckenkrankheit bezeichneten Erkrankung kommt es durch Pigmentmangel zur Entstehung weißer Flecken auf der Haut. Weltweit sind etwa 0,5 bis 1 Prozent der Menschen betroffen. Vitiligo ist bislang nicht heilbar. Behandlung mit Cortisonsalbe und/oder Lichttherapie können die Ausbreitung der weißen Flecken stoppen. 

Symptome von Vitiligo

Vitiligo beginnt meist im Alter von 10 bis 30 Jahren. Die Erkrankung zeigt sich in Form deutlich abgegrenzter weißer Flecken auf der Haut. Abgesehen von der auffälligen Weißfärbung, die für die Betroffenen psychisch sehr belastend sein kann, verursachen die Flecken in der Regel keine Beschwerden. Mitunter kann Juckreiz auftreten. Da den depigmentierten Arealen der natürliche Sonnenschutz durch den Hautfarbstoff Melanin fehlt, sind sie sehr empfindlich gegenüber UV-Strahlung und entwickeln rasch einen Sonnenbrand. 

Der Verlauf der Erkrankung ist individuell sehr unterschiedlich. Manchmal dehnt sich die Vitiligo stark und rasch aus, in anderen Fällen kann sie jahrelang stabil bleiben. Mediziner:innen unterscheiden die segmentale, die nicht-segmentale und die gemischte Vitiligo. Symptome und Verlaufstendenzen sind bei den verschiedenen Formen etwas unterschiedlich. Bei den meisten Vitiligo-Fällen handelt es sich um eine nicht-segmentale Vitiligo. Nur bei etwa 5 bis 15 Prozent der Fälle liegen eine segmentale Vitiligo oder eine Mischform vor. 

Das Bild zeigt Hände einer Person, die an Vitiligo erkrankt ist.
Charakteristisch für Vitiligo sind die weißen, scharf begrenzten Flecken auf der Haut. | © Drs Producoes
Symptome der nicht-segmentalen Vitiligo 
  • Die nicht-segmentale Vitiligo zeigt sich von Anfang an symmetrisch in beiden Körperhälften. 
  • Sie beginnt typischerweise im Gesicht (hier meist rund um Mund und/oder Augen), an den Streckseiten der Gliedmaßen (das sind die Vorderseiten der Beine und die Außenseiten der Arme) und in Körperfalten, zum Beispiel im Bereich von Achselhöhlen, Leisten oder Gesäßfalte. 
  • In den befallenen Arealen können auch die dort wachsenden Haare weiß werden. Schleimhäute können ebenfalls betroffen sein. 
  • Die Erkrankung schreitet häufig fort, das heißt, die Flecken vergrößern sich und/oder es kommen neue hinzu. In seltenen Fällen kann es zur Depigmentierung (fast) des gesamten Körpers kommen.  
  • Die nicht-segmentale Vitiligo tritt häufig zusammen mit Autoimmunerkrankungen auf. Insbesondere sind das Schilddrüsenerkrankungen und Alopecia areata, der kreisrunde Haarausfall. Auch eine Assoziation mit allergischem Asthma, allergischem Schnupfen, Nahrungsmittelallergien und atopischer Dermatitis (Neurodermitis) wird diskutiert. 
Symptome der segmentalen Vitiligo 
  • Die seltenere segmentale Vitiligo beginnt häufig bereits im Kindesalter. 
  • Sie tritt nur an einer Körperhälfte auf. 
  • Sie bleibt meist auf einen oder wenige umschriebene Körperbereiche begrenzt. 
  • Bei 50 Prozent der Betroffenen tritt Poliosis auf, das Weißwerden einzelner Haarbüschel von Kopfhaar und/oder Wimpern. 
  • Meist tritt innerhalb eines Jahres Stillstand der Erkrankung ein, und die Flecken bleiben im Folgenden unverändert.

Ursachen von Vitiligo

Bei Vitiligo kommt es zum Funktionsverlust und oft auch zur Zerstörung bestimmter Zellen der Haut, die den Hautfarbstoff Melanin bilden. Diese Zellen heißen Melanozyten. Die genaue Ursache für diese Veränderungen ist unbekannt. In vielen Fällen dürften eine Überempfindlichkeit der Melanozyten sowie Fehlregulationen des Immunsystems eine Rolle spielen, bei denen sich die Immunabwehr gegen die Pigmentzellen richtet. Bei nicht-segmentaler Vitiligo gibt es eine genetische Veranlagung: In 20 Prozent der Fälle kommt die Erkrankung familiär gehäuft vor. 

Behandlung von Vitiligo

Lokale Behandlung mit Salben, die die Immunabwehr unterdrücken 

Sind weniger als drei Prozent der Körperoberfläche betroffen, erfolgt die Behandlung bevorzugt mit cortisonhaltigen Salben. Empfohlen werden starke Kortikosteroide wie Mometasonfuorat. Aufgrund der möglichen Nebenwirkungen (Hautatrophien, übermäßiges Wachstum von Haaren und/oder kleinen Blutgefäßen) sollte der Einsatz dieser Salben vor allem im Gesicht zeitlich begrenzt bleiben. Empfohlen wird entweder die tägliche Anwendung für drei Monate oder ein sechsmonatiges Regime, bei dem nach 15 Tagen Anwendung der Salbe jeweils eine zweiwöchige Pause folgt. Wenn sie rechtzeitig begonnen wird, erreicht diese Behandlung in vielen Fällen eine Repigmentierung der betroffenen Hautareale. 

Alternativ zu Kortikosteroiden können in gleicher Weise auch Salben mit sogenannten Calcineurin-Inhibitoren (Tacrolimus und Pimecrolimus) eingesetzt werden. Diese Wirkstoffe sind auch für die anschließende Erhaltungstherapie geeignet, bei der sie zweimal pro Woche aufgetragen werden. 

Phototherapie  

UV-Licht unterschiedlicher Wellenlängen kann zur Bestrahlung des ganzen Körpers oder einzelner Körperregionen eingesetzt werden. 

Besonders häufig kommt die sogenannte NB UVB Monotherapie zum Einsatz. Sie erzielt die besten Repigmentierungsraten: Nach einem Jahr Behandlung mit zwei bis drei Bestrahlungen pro Woche wird bei etwa einem Drittel der Patient:innen eine deutliche Repigmentierung erzielt. Auch wenn es nicht zur Repigmentierung kommt, stoppt die Phototherapie häufig das Fortschreiten der Erkrankung. Kombination von Bestrahlung und Cortisonsalben oder Cortisontabletten kann bei rasch fortschreitender Vitiligo den Behandlungseffekt verstärken. 

Gezielte Lichttherapie 

Alternativ zur Phototherapie kann auch die gezielte Bestrahlung der Vitiligo-Herde mit einem fokussierten Laserstrahl erfolgen. Die dabei eingesetzten UV-Dosen sind niedriger als bei der Phototherapie, wodurch das Risiko von Nebenwirkungen (die Bestrahlung kann in seltenen Fällen zu Hautkrebs führen) reduziert wird. 

Systemische Immunsuppressiva 

Bei rasch fortschreitender Vitiligo kann ergänzend zu den anderen Behandlungsmethoden eine vorsichtige Behandlung mit Cortisontabletten erfolgen. Dabei wird der Wirkstoff Dexamethason an zwei Tagen pro Woche für drei bis sechs Monate gegeben. Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme, hoher Blutdruck und Hautrötungen können auftreten. 

Chirurgie 

Bei stabiler, also nicht mehr fortschreitender Vitiligo, kommt die Transplantation von normal pigmentierter Haut oder von gesunden Pigmentzellen in Frage. Mit Hauttransplantationen können nur relativ kleine Areale behandelt werden. Bei der Transplantation von Pigmentzellen werden diese einem kleinen Stück gesunder Haut entnommen und im Labor vermehrt. So lässt sich auch in großen Hautarealen die Pigmentierung der Haut mit guten Erfolgschancen wiederherstellen. 

Weitere Behandlungsmöglichkeiten 
  • Sehr wichtig ist der Sonnenschutz für von Vitiligo betroffene Hautareale.
  • Spezielles dermatokosmetisches Make-up kann die weißen Flecken gut kaschieren. Einige Produkte können für mehrere Tage auf der Haut bleiben. 
  • Patient:innen, die stark unter der Erkrankung leiden bzw. von sozialer Stigmatisierung betroffen sind, kann eine Psychotherapie helfen. 
  • Nach Ausschöpfung aller anderen Behandlungsmaßnahmen wird bei großem Leidensdruck manchmal eine Depigmentierung der nicht von Vitiligo betroffenen Haut in Betracht gezogen. Zur Zerstörung der Melanozyten können chemische Wirkstoffe, Laserlicht bestimmter Wellenlängen oder Kryotherapie (Kältebehandlung) eingesetzt werden. 

Wie kann Doktor.de mir bei Vitiligo helfen?

Wenn du vermutest, an Vitiligo erkrankt zu sein, können die mit Doktor.de kooperierenden Ärzt:innen deine Symptome beurteilen und dich zum weiteren Vorgehen beraten. Wir empfehlen dir, für die weiterführende Diagnostik und Behandlung eine dermatologische Klinik oder eine Hautarztpraxis aufzusuchen. Darüber hinaus hilft es vielen Betroffenen, sich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen. Zu Angeboten in deiner Region informiert zum Beispiel der Deutsche Vitiligo-Bund e.V.

 

Quelleninformationen:

Dieser Text wurde von Mediziner:innen geprüft und entspricht medizinischen Leitlinien. 

Prof. Dr. Böhm, M. 2021. Leitlinie Diagnostik und Therapie der Vitiligo.

Letztes Update: 2022-09-19