Gürtelrose

Gürtelrose (medizinisch Herpes Zoster oder nur Zoster genannt) ist eine Viruserkrankung von Haut und Nerven. Hauptsymptom ist ein von starken Schmerzen begleiteter einseitiger Hautausschlag. Die Krankheit tritt als Spätfolge einer durchgemachten Windpockenerkrankung auf. Eine Gürtelrose heilt meist innerhalb von vier Wochen ab, die Schmerzen können jedoch länger anhalten. Eine rechtzeitig begonnene Behandlung mildert den Krankheitsverlauf und senkt das Komplikationsrisiko in der Regel. 

Symptome von Gürtelrose

Obwohl auch gesunde jüngere Erwachsene, Jugendliche und Kinder erkranken können, tritt Gürtelrose vorwiegend bei älteren und immungeschwächten Menschen auf. Zwei Drittel aller Fälle betreffen Personen über 50 Jahre. 

Typischer Verlauf 

Die Erkrankung beginnt meist mit unspezifischen Krankheitssymptomen wie leichtem Fieber und Abgeschlagenheit. Dort, wo sich später der Hautausschlag entwickelt, können bereits Brennen, Juckreiz, Überempfindlichkeit oder Spannungsgefühl sowie erste Schmerzen auftreten. 

Nach drei bis fünf Tagen zeigen sich gerötete, erhabene Stellen, aus denen etwa reiskorngroße, flüssigkeitsgefüllte Bläschen entstehen. Benachbarte Bläschen können in der Folge zu blasigen Arealen verschmelzen. Im Bereich des Hautausschlags treten brennende oder bohrende Schmerzen auf. Die Bläschen brechen nach einigen Tagen auf, wobei sie eine virenhaltige, hoch infektiöse Flüssigkeit abgeben. Die ausgetrockneten Bläschen überziehen sich mit einer schorfigen Kruste und heilen üblicherweise im Verlauf von zwei bis drei Wochen ab. 

Charakteristisch für Hautausschlag und Schmerzen ist die Begrenzung auf eine Körperhälfte und ein bestimmtes Hautgebiet, meist im Bereich des Brustkorbs. Seltener können auch Rücken, Arme, Beine, Hals oder Gesicht betroffen sein. Der Ausschlag folgt einem oder mehreren benachbarten Nerven, die vom Rückenmark ausgehend ein bestimmtes Hautareal durchziehen – so entsteht die typische bandförmige Anordnung der Bläschen. 

Auf dem Bild ist der eine Infektion mit Gürtelrose zu sehen.
Ein charakteristisches Merkmal einer Gürtelrose ist der bandförmige Hautausschlag. | © HengDao
Sonderformen der Gürtelrose 

Sonderformen sind die Gürtelrose der Genitalien (Zoster genitalis), des Auges (Zoster ophthalmicus) oder Ohrs (Zoster oticus). Bei stark immungeschwächten Personen können sich die Viren mit dem Blutkreislauf im gesamten Körper ausbreiten und es kann zum lebensbedrohlichen generalisierten Zoster mit Befall der Organe kommen. 

Mögliche Komplikationen 

Die durch die Gürtelrose verursachten Schmerzen können nach Heilung des Hautausschlags noch längere Zeit, in ungünstigen Fällen jahrelang anhalten. Diese sogenannte postzosterische Neuralgie ist die häufigste Komplikation der Gürtelrose; etwa 20 Prozent der über 60-jährigen Patient:innen leiden daran. 

Die Hauterscheinungen können ohne Narbenbildung abheilen, es kann jedoch auch zu bleibenden Narben, Pigment- und Empfindungsstörungen in den betroffenen Hautarealen kommen. 

Als weitere Komplikationen können vorübergehende Lähmungserscheinungen, Schwerhörigkeit und Gleichgewichtsstörungen (beim Zoster des Ohrs) sowie Gehirn- und Gehirnhautentzündungen auftreten. Besonders problematisch ist der Zoster des Auges: Durch gefährliche Augendruckerhöhungen, Entzündungen und Vernarbungen der Hornhaut bzw. Zerstörung der Netzhaut droht hier die Gefahr schwerer bleibender Schädigungen bis zum Erblinden. 

Ursachen von Gürtelrose

Gürtelrose und Windpocken stehen in engem Zusammenhang. Ursache beider Erkrankungen ist das Varizella-Zoster-Virus. Bei der Erstinfektion verursacht der Erreger die Windpocken und nistet sich nach durchgemachter Erkrankung permanent in den Nervenwurzeln des Rückenmarks ein. Nach Jahren oder Jahrzehnten kann das Virus reaktiviert werden, sich erneut vermehren und eine Gürtelrose auslösen. In der Regel steht der Ausbruch im Zusammenhang mit einer Schwächung des Immunsystems durch Stress, Alterungsprozesse, bestimmte Erkrankungen oder Einnahme von Medikamenten, die die Immunabwehr unterdrücken. 

Behandlung von Gürtelrose

Die Behandlung der Gürtelrose verfolgt drei Ziele: 

  1. Milderung des Verlaufs und Senkung des Komplikationsrisikos: antivirale Therapie 
  2. Linderung der Schmerzen: Schmerzmittel 
  3. Verhinderung von bakteriellen Zweitinfektionen und Narbenbildung: antiseptische, juckreizstillende Hautpflege 
Antivirale Therapie 

Die antivirale Therapie sollte nicht später als drei Tage nach Einsetzen der Symptome begonnen werden. Dieses Vorgehen wird für Patient:innen über 50 Jahre grundsätzlich empfohlen, ebenso bei Gürtelrose im Kopf-Hals-Bereich, für immungeschwächte Patient:innen und für Patient:innen mit Hauterkrankungen wie Neurodermitis. Bei jüngeren erwachsenen Personen ohne bekannte Komplikationsrisiken kann eine antivirale Therapie erwogen werden. Nicht empfohlen wird sie für gesunde Kinder und Jugendliche; hier überwiegen die Nebenwirkungsrisiken der Behandlung das in diesem Alter geringe Komplikationsrisiko. 

Für die antivirale Therapie stehen die Virostatika Aciclovir, Famciclovir, Valaciclovir und Brivudin zur Einnahme in Tablettenform (in der Regel dreimal täglich für sieben bis zehn Tage) zur Verfügung. Immungeschwächte Personen und komplizierte Verläufe werden im Rahmen eines Krankenhausaufenthaltes mit Aciclovir-Injektionen behandelt. 

Schmerztherapie 

Abhängig von der Schmerzintensität kommen unterschiedliche Schmerzmedikamente zum Einsatz: 

  • Geringe Schmerzintensität: frei verkäufliche Schmerzmittel wie Paracetamol 
  • Mittlere Schmerzintensität: schwach wirksame Opioide wie Tramadol oder Tilidin 
  • Hohe Schmerzintensität: stark wirksame Opioide wie Oxycontin oder Fentanyl 

Bei neuropathischen Schmerzen (das sind Schmerzen, die ohne äußere Ursache, wie etwa eine Verletzung der Haut, direkt in den Nerven entstehen) wird die zusätzliche Behandlung mit Antikonvulsiva und Antidepressiva empfohlen. 

Hautpflege 

Zur Linderung des Juckreizes, zur Verhinderung bzw. Behandlung bakterieller Zweitinfektionen und zur Förderung des narbenfreien Abheilens wird die regelmäßige Hautpflege mit wirkstoffhaltigen Salben oder Pudern empfohlen. Als Wirkstoffe kommen unter anderem Gerbstoffe, Zink, Lokalanästhetika und Antibiotika in Frage. 

Impfung gegen Gürtelrose

Die Ständige Impfkommission empfiehlt allen Personen über 60 Jahren sowie Risikopatient:innen ab 50 Jahren die vorbeugende Schutzimpfung gegen Gürtelrose. Der in zwei Dosen verabreichte Gürtelrose-Impfstoff ist ein Totimpfstoff, der die Antikörperbildung mit Bruchstücken von Varicella-Zoster-Viren stimuliert. 

Auch die mit einem Lebendimpfstoff, also mit abgeschwächten, vermehrungsfähigen Viren durchgeführte Impfung gegen Windpocken verleiht einen gewissen Schutz gegen Gürtelrose. Die durch die Impfung in den Körper gelangten abgeschwächten Viren können mit geringer Wahrscheinlichkeit zwar ebenfalls eine Gürtelrose auslösen, Verläufe sind jedoch wesentlich milder als bei Ungeimpften. 

Vorbeugung von Gürtelrose 

Säuglinge, Schwangere und abwehrgeschwächte Personen, die bisher keine Windpocken hatten und nicht geimpft sind, sollten den engen Kontakt zu an Gürtelrose Erkrankten unbedingt vermeiden: Die nässenden Bläschen des Hautausschlags sind hoch infektiös. 

Wie kann Doktor.de mir bei Gürtelrose helfen?

Unsere kooperierenden Ärzt:innen helfen dir bei der Beurteilung deiner Haut- und Schmerzsymptome und beraten dich hinsichtlich der Notwendigkeit einer Behandlung. Wenn du älter als 50 Jahre bist oder zu einer Risikogruppe gehörst, solltest du unbedingt einen Arzt aufsuchen. 

Quelleninformationen:

Dieser Text wurde von Mediziner:innen geprüft und entspricht medizinischen Leitlinien. 

Robert Koch Institut. 01.08.2017. Windpocken (Varizellen), Gürtelrose (Herpes zoster).

AWMF online. 24.05.2019. Diagnostik und Therapie des Zoster und der Postzosterneuralgie.

Letztes Update: 2022-06-28