Das runde Piktogramm mit einem mintgrünen Hintergrund zeigt ein Fieberthermometer mit einer roten Temperaturanzeige. Zudem ist neben dem Fieberthermometer ein weißes Ausrufezeichen in einer roten Sprechblase abgebildet. Das Piktogramm symbolisiert Fieber, erhöhte Temperaturen und Grippe.
Mittelohrentzündung

Bei einer Mittelohrentzündung liegt eine Infektion der Schleimhaut im Mittelohr vor. Am häufigsten betroffen sind Säuglinge und Kleinkinder. Zu den typischen Symptomen zählen Ohrenschmerzen und Fieber. Oft ist außerdem eine akute Hörminderung festzustellen. Um mögliche Komplikationen und Folgeerkrankungen zu vermeiden, solltest du die Mittelohrentzündung fachärztlich behandeln lassen.  

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Symptome einer Mittelohrentzündung

Eine akute Mittelohrentzündung geht meist mit folgenden Symptomen einher: 

  • heftige Ohrenschmerzen (pulsierend, stechend) 
  • Druckgefühl im Ohr 
  • allgemeines Unwohlsein 
  • Fieber über 38 Grad Celsius und 
  • schlechtes Hören aufgrund Flüssigkeitsansammlung im Mittelohr 

Meist fühlen sich die Betroffenen plötzlich sehr unwohl, auch Übelkeit ist keine Seltenheit. Säuglinge sind schnell reizbar oder haben Schlafprobleme. Kleinkinder können oftmals den Schmerz noch nicht richtig zuordnen und klagen unter Umständen über Bauchschmerzen, obwohl in Wirklichkeit die Ohren wehtun. Fassen sich kleine Kinder immer wieder an die Ohren oder reiben daran, kann das ebenfalls ein Hinweis auf eine Mittelohrentzündung sein. Gleiches gilt für häufiges Kopfschütteln. 

Aufgrund der Entzündung kommt es nicht selten zu einem Sekretstau hinter dem Trommelfell. Wird der Druck zu groß, kann dieses einreißen. Dadurch fließt das Sekret über den Gehörgang ab, die Schmerzen lassen nach. 

Chronische Mittelohrentzündung 

Von einer chronischen Mittelohrentzündung ist die Rede, wenn Entzündungsprozesse innerhalb des Mittelohres immer wieder auftreten. Oft ist diese Erkrankung mit einem dauerhaften Trommelfelldefekt (länger als drei Monate) und eitrigem Ausfluss aus dem Gehörgang verbunden. Abhängig vom Ausmaß der Entzündung wird zwischen der chronischen Schleimhauteiterung und der chronischen Knocheneiterung unterschieden. 

Die chronische Form der Mittelohrentzündung kann sich durch folgende Symptome äußern: 

  • Ohrrauschen 
  • Hörminderung 
  • anhaltende Flüssigkeitsausscheidung aus dem Ohr 
  • Wuchern von entzündetem Gewebe 
  • Schwindel 
  • ausgeprägte Schmerzen 

Bei normalen Druckverhältnissen im Ohr geht eine akute Mittelohrentzündung normalerweise nicht in eine chronische Form über. Bei Letzterer handelt es sich um eine eigenständige Erkrankung, die häufig infolge frühkindlicher Belüftungsstörungen des Mittelohrs entsteht, beispielsweise durch vergrößerte Rachenmandeln. 

Ursachen einer Mittelohrentzündung

Für das Entstehen einer Mittelohrentzündung kommen vorrangig drei Auslöser infrage: 

  • Eine Erkältung oder Halsentzündung können dazu führen, dass Viren oder Bakterien aus dem Nasen-Rachen-Raum durch die Ohrtrompete ins Mittelohr gelangen. Zugleich führt das Anschwellen der Schleimhäute im Nasen-Rachen-Raum dazu, dass sich die Belüftung des Mittelohrs verschlechtert. Das begünstigt die Ausbreitung der Erreger. 
  • In selteneren Fällen finden Keime durch ein defektes Trommelfell den Weg ins Mittelohr. Ursache hierfür ist häufig der unsachgemäße Gebrauch von Wattestäbchen. 
  • Infolge einer Scharlach– oder Masern-Erkrankung können Erreger über die Blutbahn ins Ohr gelangen. Diese Variante kommt heute allerdings kaum noch vor. 
Die häufigsten Erreger der Mittelohrentzündung 

Mehr als 70 Prozent aller Mittelohrentzündungen bei Säuglingen und Kleinkindern werden durch Pneumokokken (Streptococcus pneumoniae) und Haemophilus influenzae hervorgerufen. Weitere mögliche Erreger sind: 

  • Streptococcus pyogenes,
  • Staphylococcus aureus und
  • Moraxella catarrhalis 

Dem bakteriellen Befall des Mittelohrs geht häufig eine virale Ersterkrankung voraus. Grippe- und Herpesviren können direkt eine akute Mittelohrentzündung hervorrufen. 

Behandlung von Mittelohrentzündung

Da eine akute Mittelohrentzündung starke Schmerzen hervorruft, steht bei der Behandlung eine schnelle Schmerzlinderung im Vordergrund. Hierzu eignen sich schmerzstillende und zugleich fiebersenkende Wirkstoffe wie Ibuprofen oder Paracetamol. Beides ist für Babys und Kleinkinder zugelassen und auch als Zäpfchen oder Saft erhältlich.  

Ist ein Schnupfen die Ursache der Mittelohrentzündung, können abschwellende Nasentropfen und -sprays die Belüftung des Mittelohrs verbessern. Gegebenenfalls sind Ohrentropfen zu empfehlen.  

Meist heilt die akute Mittelohrentzündung nach einigen Tagen folgenlos ab. Kleinere Verletzungen des Trommelfells schließen sich in aller Regel nach ein bis zwei Wochen von allein. Wichtig ist jedoch eine sorgfältige ärztliche Beobachtung. Stellt sich nach spätestens drei Wochen keine vollständige Genesung ein, könnte eine Mastoiditis vorliegen. Hierbei handelt es sich um eine eitrige Entzündung des Warzenfortsatzes des Schläfenbeins. 

Antibiotika-Therapie 

Bei bakteriell bedingter Mittelohrentzündung können Antibiotika verschrieben werden. In aller Regel kommt ein Breitbandantibiotikum zur Anwendung, das gegen unterschiedlichste Erreger wirkt. Mittlerweile ist diese Therapiemaßnahme jedoch umstritten, da eine zu häufige Einnahme von Antibiotika zu Resistenzen führen kann. 

Bei Kindern ab zwei Jahren sowie bei Erwachsenen wird zunächst den Verlauf beobachtet. Ein Antibiotikum wird nur bei anhaltenden Symptomen oder Komplikationen gegeben. Die sofortige Antibiotikabehandlung empfiehlt sich lediglich bei Säuglingen unter sechs Monaten, Kleinkindern unter zwei Jahren sowie bei Kindern mit: 

  • schlechtem Allgemeinbefinden
  • hohem Fieber
  • fortgesetztem Erbrechen und/oder
  • Durchfall 
Chirurgische Behandlung 

Lässt sich eine entzündungsbedingte Sekretansammlung im Mittelohr nicht durch Medikamente beseitigen, kann ein kleiner Schnitt im Trommelfell gesetzt werden. Durch diesen kann das Sekret besser abfließen. Bei Kindern erfolgt dieser Eingriff unter Vollnarkose, bei Erwachsenen unter örtlicher Betäubung. Damit sich der Schnitt nicht vorzeitig schließt, wird gegebenenfalls ein kleines Metall- oder Kunststoffröhrchen (Paukenröhrchen) in die Öffnung eingesetzt. Dieses fällt nach circa sechs Monaten von selbst heraus. 

Können bei einer Mittelohrentzündung Hausmittel zur Anwendung kommen? 

Viele Patient:innen empfinden eine Wärmebehandlung mit Rotlicht, einem Säckchen mit abgekochten Zwiebeln, einer Salzsocke oder einem Traubenkernkissen als angenehm. Gegen das Fieber können Wadenwickel helfen. Belege, dass diese Hausmittel eine akute Mittelohrentzündung tatsächlich lindern können, gibt es bislang nicht. 

Dringend abzuraten ist vom Einträufeln von Olivenöl in den Gehörgang. Zum einen kann dieses die Beschwerden bei einem geschädigten Trommelfell verschlimmern. Zum anderen können mit dem Öl Keime ins Ohr gelangen. 

Risikofaktoren von Mittelohrentzündung

Das Risiko für eine akute Mittelohrentzündung kann sich vor allem bei Kleinkindern durch folgende Faktoren erhöhen: 

  • täglicher Umgang mit vielen anderen Kindern (verstärkte Aufnahme von Krankheitserregern)
  • ständiger Gebrauch von Schnullern
  • von Anfang an Flaschennahrung statt Muttermilch
  • Grunderkrankungen wie Funktionsstörungen der Ohrtrompete, eine Gaumenspalte, Allergien oder ein geschwächtes Immunsystem
  • vergrößerte Rachenmandeln
  • die Wintermonate (wegen der erhöhten Erkältungsgefahr)
  • Passivrauchen durch rauchende Familienangehörige 

Bei einer akuten Mittelohrentzündung im ersten Lebenshalbjahr neigen Kinder zu erneut auftretenden Infekten im Mittelohr. Zudem können lang anhaltende Erkältungen sowie Flugreisen mit Schnupfen die Gefahr für die Entwicklung einer Mittelohrentzündung für Kinder und Erwachsene erhöhen. 

Wie kann dir Doktor.de bei einer Mittelohrentzündung helfen?

Du oder dein Kind leiden unter Symptomen, die auf eine Entzündung des Mittelohrs hinweisen? Unsere ausgewählten Mediziner:innen können die Krankheitszeichen bewerten und dir bei Bedarf ein Antibiotikum verordnen. Lassen die Schmerzen nicht nach oder läuft Flüssigkeit aus dem Ohr, ist ein Arztbesuch anzuraten. 

 

Quelleninformationen:

Dieser Text wurde von Mediziner:innen geprüft und entspricht medizinischen Leitlinien. 

Zelle, E. 24.11.2022. Mittelohrentzündung beim Kind. Apotheken Umschau. 

HNO-Ärzte im Netz. o.J. Akute Mittelohrentzündung – Definition und Häufigkeit.

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). 16.11.2022. Mittelohrentzündung. Gesundheitsinformation.de.

Apotheken Umschau. 18.01.2018. Akute Mittelohrentzündung: Symptome, Ursachen, Therapien.

Miyamoto, R. T. 03.2022. Akute Mittelohrentzündung. MSD MANUAL. 

Letztes Update: 2022-12-09