Das runde Piktogramm mit mintgrünem Hintergrund zeigt das Gesicht einer Person, welches ängstlich schaut. Zudem laufen der Person Tränen über das Gesicht. Zudem ist auf dem Piktogramm ein gebrochenes Herz zu sehen.
Zwangsstörung (OCD)

Zwangsstörungen (englisch: obsessive compulsive disorder, OCD) zählen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen im Erwachsenenalter. Bei einigen stehen Zwangshandlungen und –rituale im Vordergrund, während bei anderen Zwangsgedanken überwiegen. Obwohl die Betroffenen meist wissen, dass ihre Zwänge und Gedanken irrational sind, können sie diese nicht unterdrücken. Hier informieren wir darüber, wie eine Zwangsstörung entsteht, wie sie sich äußert und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt. 

Symptome von Zwangsstörungen

Menschen mit Zwangsstörungen unterliegen einem starken inneren Drang, Dinge zu tun oder zu denken, die sie zumindest anfangs oft selbst für übertrieben oder unsinnig halten. Versuche, diesen Drang zu unterdrücken, schlagen größtenteils fehl oder bewirken sogar eine Zunahme der Impulse und Gedanken. 

Indem sich belastendes Gedankengut immer wieder in das Bewusstsein drängt, löst es massive Anspannung, Unruhe oder Ekel aus. Auch das Wissen um die Unsinnigkeit oder Übertriebenheit der Befürchtungen mindert das subjektive Bedrohungsgefühl nicht. Die Betroffenen können dieses nur reduzieren, indem sie mit Zwangshandlungen oder gedanklichen Ritualen gegensteuern. In schweren Fällen kann das mitunter mehrere Stunden dauern und den gesamten Alltag beeinträchtigen. 

Allen Zwängen ist gemein, dass sie eine Bedrohungs- und eine Abwehrseite haben. Wie genau sich diese äußern, hängt von der Art der Zwangsstörung ab. 

Symptome bei Wasch- und Putzzwängen 

Bei einem Wasch- oder Putzzwang fürchten sich die Betroffenen davor, sich oder andere durch Berührung mit gefährlichen Keimen oder Substanzen anzustecken oder zu schaden. Die dadurch verursachten Angst- und Ekelgefühle lassen sich nur durch umfangreiche Reinigungs- oder Putzrituale wie ständiges Händewaschen abschwächen. 

Symptome bei Kontrollzwängen 

Personen mit einem Kontrollzwang haben permanent Angst davor, durch Fahrlässigkeit Katastrophen wie einen Brand, einen Einbruch oder eine Überschwemmung zu verursachen. Manche quält auch der Gedanke, jemanden überfahren zu haben, ohne dessen gewahr zu werden. Sie fahren deshalb die Fahrstrecke mehrmals ab oder fragen bei der Polizei nach. 

Symptome bei anderen Zwangsstörungen 

Einige Betroffene treiben ihre Befürchtungen dazu, bestimmte Regeln oder „magische“ Rituale zu befolgen, um Angehörige vor Unheil zu bewahren. Zum Beispiel müssen sie Dinge in einer vorgegebenen Häufigkeit oder in einer festgelegten Reihenfolge tun. Einige dürfen nicht auf Fugen oder bestimmte Steine treten. Andere leiden unter Rückversicherungs- und Wiederholungszwängen. 

Weitere Symptome 

Oft tritt eine Zwangserkrankung gemeinsam mit weiteren Störungen auf. Hierzu zählen beispielsweise: 

Insbesondere bei Kindern und Jugendlichen gehen OCD häufig mit dem Tourette-Syndrom (TS) einher. 

Ursachen von Zwangsstörungen

Nach heutigen Erkenntnissen spielen für die Entstehung und Aufrechterhaltung einer OCD sowohl psychologische als auch biologische Faktoren eine Rolle. Welche dabei in welchem Ausmaß relevant sind, ist individuell unterschiedlich. 

Genetische Vorbelastung 

Wie Untersuchungen bestätigen, spielt bei einem Teil der Betroffenen die Genetik eine Rolle. Die erbliche Komponente ist jedoch weniger stark ausgeprägt als beispielsweise bei der Schizophrenie. Mehrfach wurde eine familiäre Häufung beobachtet. Drei bis zwölf Prozent der Verwandten ersten Grades leiden ebenfalls an einer Zwangserkrankung. Acht bis 30 Prozent zeigen zumindest gewisse Zwangssymptome oder zwanghaftes Verhalten. 

Hirnorganische/neurobiologische Faktoren 

Es gibt Hinweise darauf, dass bei einem Teil der Betroffenen hirnorganische Faktoren an der Entstehung von Zwangsstörungen mitwirken. Einige Patienten mit Erkrankungen des Nervensystems, bei denen bestimmte Hirnbereiche (Basalganglien) beteiligt sind, entwickeln ebenfalls Zwangssymptome. Bildgebende Untersuchungen lassen auf eine Veränderung der Hirnaktivität und des Hirnstoffwechsels in einigen Arealen schließen. 

Bislang ist unklar, ob diese Veränderungen Ursache der Zwangsstörung sind oder nur eine Begleiterscheinung. Gut belegt ist jedoch, dass sich die auffälligen Hirnaktivitäten nach einer erfolgreichen Behandlung der OCD wieder normalisieren. 

Psychologische Erklärungsmodelle 

Bei der Herausbildung von Zwangsstörungen können verschiedene psychologische Einflussfaktoren zum Tragen kommen. Dazu zählen vor allem: 

  • die Erziehung,
  • verunsichernde und/oder traumatisierende Erfahrungen in Kindheit und Jugend,
  • negative Lebensereignisse im Erwachsenenalter und
  • die Persönlichkeit des Betroffenen.

Die Erziehung zu übermäßiger Reinlichkeit kann ebenso zu späteren Zwangsstörungen beitragen wie ein zu geringer Freiraum des Kindes für eigene Entscheidungen. Ungünstige Umgangsweisen mit ersten Zwängen können dazu führen, dass diese aufrechterhalten werden. 

Behandlung von Zwangsstörungen

Um die zahlreichen Folgen von Zwangserkrankungen zu vermeiden, ist eine frühzeitige Therapie wichtig. Eine Behandlung kann aber auch bei einer schon sehr lange bestehenden Zwangsstörung noch erfolgreich verlaufen. Zwar verschwinden die Symptome nicht bei allen Betroffenen vollständig, für die meisten verbessert sich die Lebensqualität aber bereits deutlich, wenn die Intensität der Zwangsgedanken und -handlungen abnimmt. 

Psychotherapie 

Die bevorzugte Behandlungsmaßnahme ist heute die kognitive Verhaltenstherapie inklusive eines Expositions-Reaktions-Managements. Unter Begleitung eines:einer Therapeut:in setzt sich der oder die Betroffene schrittweise den zwangsauslösenden Reizen aus und lernt, mit den aufkommenden unangenehmen Gefühlen zurechtzukommen, ohne sich ihren Zwängen zu unterwerfen. Hierbei machen die Patient:innen die Erfahrung, dass die zwanghaften Befürchtungen nicht eintreffen und Angst, Anspannung und Ekel mit der Zeit auch ohne Zwangshandlungen nachlassen. 

Bei mittel- und schwergradigen Zwangserkrankungen kommen meist multimodale kognitiv-therapeutische Konzepte zur Anwendung. Diese umfassen zusätzlich weitere kognitive-verhaltenstherapeutische Maßnahmen und oft auch systemische, achtsamkeitsbasierte oder psychodynamische Elemente. Sind Angehörige in die Zwangsrituale eingebunden, werden sie üblicherweise in die Behandlung einbezogen. 

Medikamentöse Therapie 

Im Rahmen der medikamentösen Behandlung werden in erster Linie sogenannte selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) wie Citalopram, Escitalopram, Fluvoxamin, Paroxetin, Sertralin oder Fluoxetin verabreicht. Alternative kann auch der nicht-selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer Clomipramin zur Anwendung kommen. Dieser verursacht jedoch mehr Nebenwirkungen. 

Für Patient:innen, bei denen diese Medikamente keine ausreichende Besserung bewirken, wird die zusätzliche Gabe eines niedrig dosierten atypischen Antipsychotikums empfohlen. Diese sogenannte Augmentation ist bei etwa einem Drittel der Betroffenen erfolgreich, die auf eine Monotherapie mit SSRI nicht ansprechen. 

Bis die Medikamente wirken, dauert es in aller Regel mindestens vier Wochen. Das Wirkungsmaximum wird nach acht bis zwölf Wochen erreicht. 

Risikofaktoren an einer Zwangsstörung zu erkranken

Das Risiko für das Auftreten oder die Verstärkung von Zwangserkrankungen erhöht sich unter anderem durch: 

  • emotional belastende, mit intensiven negativen Emotionen verbundene Lebensereignisse (zum Beispiel körperliche oder sexuelle Gewalt, emotionale Vernachlässigung, der frühe Tod eines Elternteils)
  • Belastungen in Partnerschaft und Familie
  • anhaltende berufliche Überlastungssituationen
  • niedriges Selbstwertgefühl
  • ausgeprägte Schüchternheit

Welche Hilfe kannst du bei einer Zwangsstörung von Doktor.de erwarten?

Du leidest unter einer OCD und möchtest deine Zwänge endlich in den Griff bekommen? Die Mediziner:innen auf doktor.de stehen dir beratend zu Seite und unterstützen dich beim Umgang mit der Erkrankung. 

 

Quelleninformationen: 

Dieser Text wurde von Mediziner:innen geprüft und entspricht medizinischen Leitlinien. 

Phillips, K.; Stein, D. J. 06.2021. Eigengeruchswahn. MSD Manual.

PD Dr. med. Rufer, M.; Prof. Dr. Voderholzer. o.J. Zwangserkrankungen – Ursachen. Neurologen und Psychiater im Netz.

Finke, G.; Dr. med. Hacker, A.; Dr. med. Schäffler, A. 03.04.2020. Zwangsstörungen. Apotheken.de.

Schön Klinik Gruppe. o.J. Zwangsstörungen. 

Letztes Update: 2022-11-06