Adipositas

Adipositas entsteht, wenn sich Fett über das normale Maß hinaus im Körper vermehrt. Dies kann bei Menschen jeden Alters und jeden Geschlechts auftreten. In Deutschland steigt die Zahl adipöser Menschen stetig. Adipositas kann schwerwiegende Folgeerkrankungen verursachen. So spricht die Deutsche Adipositas Gesellschaft von einer Volkskrankheit, die viele gesunde Lebensjahre kosten kann. Experten schätzen die Zahl der hierzulande Betroffenen auf 17 Millionen Menschen, das ist rund ein Viertel der Bevölkerung. Während die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Adipositas als Krankheit bezeichnet, spricht das deutsche Gesundheitssystem von ihr lediglich als Risikofaktor für Erkrankungen. 

Symptome von Adipositas

Übergewicht und Adipositas treten nicht plötzlich auf, sondern entstehen meist im Verlauf mehrerer Jahre. Auslösender Faktor ist häufig eine Ernährungsweise, die dem Körper regelmäßig mehr Kalorien zuführt, als er im Alltag umsetzen kann. Oft entwickeln sich Übergewicht und Adipositas durch einen Lebensstil, der geprägt ist von unzureichender Bewegung sowie einer Ernährung mit „Zuckerbomben“ wie Softdrinks und Fast Food. Die übermäßigen Kalorien wandelt der Körper in Fett um, das sowohl unter der Haut als auch im Körperinnern gespeichert wird. 

Body-Mass-Index (BMI) 

Über den BMI lässt sich abschätzen, wie hoch der Anteil von Fett im Körper ist. Dazu nutzt man das Verhältnis von Körpergewicht und Körpergröße. Bei der Berechnung teilt man das Gewicht in Kilogramm durch die Körpergröße in Metern hoch zwei. Was der ermittelte BMI aussagt, ist klar klassifiziert. So gelten Erwachsene bei einem Wert zwischen 25 und 29,9 als übergewichtig. Werte ab 30 aufwärts weisen eine Adipositas nach, die wiederum in 3 Schweregrade unterteilt wird: 

Adipositas Grad I                 BMI 30 – 34,9 

Adipositas Grad II                BMI 35 – 39,9 

Adipositas Grad III               BMI ab 40 

Der BMI berücksichtigt weder Alter noch Geschlecht und welchen Anteil Fett, Muskelmasse und Flüssigkeit im Einzelnen am Körpergewicht haben. So ist bei Menschen mit erhöhter Muskelmasse, wie Sportler:innen, sein Wert nur von eingeschränkter Aussagekraft. 

Um herauszufinden, ob Adipositas besteht, gibt es daher zusätzliche Verfahren wie: 

Messung des Taillenumfangs 

Diese gibt Aufschluss, ob sich um Organe im Körperinnern Fett eingelagert hat. Zu viel Bauchfett besteht, wenn der Umfang bei Frauen 88 Zentimeter und bei Männern 102 Zentimeter überschreitet. 

Bioelektrische Impedanz Analyse 

Schwacher Strom wird über Arme und Beine durch den Körper geleitet. Anhand dessen, dass Körperfett, Muskelmasse und Körperflüssigkeit den Strom verschieden gut leiten, können ihre Anteile und deren Veränderungen auch bei konstantem Gewicht bestimmt werden. 

Ursachen von Adipositas

Das BIld zeigt eine adipöse Person, die sich den Bauch hält.
Etwa Zwei Drittel der Männer und die Hälfte der Frauen in Deutschland sind übergewichtig. | © towfiqu ahamed

Übergewicht kann sich aufgrund vieler Faktoren entwickeln. Auf manche haben Betroffene selbst Einfluss, auf andere wiederum nicht. Oft besteht ein Zusammenspiel oder eine Wechselwirkung. Mögliche Ursachen für die Entstehung von Adipositas können sein: 

Lebensstil

Eine kalorienreicher Ernährung bei gleichzeitigem Mangel an Bewegung und körperlicher Belastung sowie Stress und Schlafmangel. 

Psychische Probleme und Essstörungen

Mit Essen wird sich getröstet, belohnt oder werden Spannungen abgebaut. Es kann zu regelmäßigen, unkontrollierten Essanfällen („Binge-Eating-Störung“)kommen. Manche Betroffene ernähren sich länger fast nur mit viel süßen Lebensmitteln („Grasen“) oder essen mindestens dreimal in der Woche nachts („Night-Eating-Syndrome“). 

Genetische Faktoren

Eine familiäre Veranlagung macht es wahrscheinlicher, selbst übergewichtig zu werden. Leiden Mutter und Vater unter Adipositas besteht ein 15-fach erhöhtes Risiko, bei einem Elternteil beträgt es das Dreifache. 

Hormonelle und stoffwechselbedingte Erkrankungen

Eine Schilddrüsenunterfunktion oder eine Überproduktion von körpereigenem Kortison (Cushing-Syndrom) können Übergewicht auslösen. Auch Schwangerschaft und Wechseljahre können das Körpergewicht beeinflussen. 

Medikamente

Arzneimittel gegen Depressionen, Krampfanfälle und Wahnvorstellungen, aber auch Blutzuckersenker sowie die längere Einnahme von Kortison-Präparaten können das Körpergewicht erhöhen. 

Ursachen von Übergewicht bei Kindern 

Ein erhöhtes Geburtsgewicht beim Neugeborenen kann sich zu einem späteren Übergewicht entwickeln. Dabei kann es eine Rolle spielen, wie sich die Mutter in der Schwangerschaft ernährt und ob sie unverhältnismäßig viel zunimmt. Auch Kinder von Diabetikerinnen oder von Frauen, die während der Schwangerschaft rauchten, sind gefährdet, später adipös zu werden. 

Behandlung von Adipositas

Die Therapie zielt darauf ab, eine dauerhafte Gewichtsreduktion bei den Patient:innen herbeizuführen. Einfluss auf die Wahl der Behandlungsmethode haben: 

  1. Schweregrad der Adipositas
  2. individuelle Risikofaktoren und Begleiterkrankungen 
  3. Alter und persönliche Umstände 

Adipositas wird vorrangig mit einer sogenannte multimodale Basistherapie behandelt, die meist eine langsame, aber nachhaltige Abnahme von etwa fünf bis zehn Prozent Gewicht pro Jahr anstrebt. Sie besteht aus den Elementen: 

Änderung des Lebensstils 

Ernährungsumstellung auf nachhaltig kalorienreduziertes Essen, Ernährungsberatung, Anleitung und Trainingsprogramme für mehr körperliche Aktivität zur Erhöhung des täglichen Energieverbrauchs. Dabei sollte der individuelle Gesundheitszustand berücksichtigt werden. So sind bei starker Adipositas gelenkschonende Sportarten empfehlenswert. 

Verhaltenstherapie 

Zur Stärkung und Stabilisierung der veränderten Lebens-, Ess- und Bewegungsgewohnheiten. 

Medikamente und Operationen 

Diese werden von Experten nur empfohlen, wenn Basistherapien unzureichend sind und schwerwiegende Begleit- oder Folgeerkrankungen bestehen. 

Medikamente sollten erst ab einem BMI von 28 begleitend Anwendung finden, denn es können Nebenwirkungen und Abhängigkeiten auftreten. Zudem ist der nachhaltige Erfolg nicht ausreichend erforscht. Infrage kommen Präparate, die die Fettaufnahme im Darm hemmen oder die als „Appetitzügler“ über das Gehirn Sättigungssignale senden sollen. 

Operationen wie ein Magenbypass oder eine Magenverkleinerung kommen nur bei schwerer Adipositas infrage. Sie zielen darauf ab, schnell einen bedeutsamen Gewichtsverlust zu bewirken. Sie sind mit Nebenwirkungen und Risiken verbunden und erfordern eine lebenslange ärztliche Nachsorge. Mitunter sind Patient:innen auf ergänzende Zufuhr von Nährstoffen und Vitaminen angewiesen und dürfen bestimmte entzündungshemmende Medikamente nicht mehr einnehmen. 

Hilfe bei Adipositas mit Digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA) 

Ärzt:innen können dir eine DiGA gegen Adipositas zur Unterstützung verschreiben. DiGA sind Apps, die durch Ärzt:innen auf Kosten der Krankenkasse verordnet werden können und mit der du deine Behandlung gegen eine leichte depressive Episode eigenständig durchführen kannst. Mehr zum Thema DiGA findest du auf unserer DiGA-Seite. 
Ob eine DiGA die beste Behandlungsoption ist, muss aber zunächst in einem ärztlichen Gespräch geklärt werden. Dazu kannst du von unseren Kooperationsärzt:innen bei Doktor.de eine professionelle Beratung bekommen. 

Risikofaktoren von Adipositas

Betroffene erfahren wegen ihres Äußeren häufig nicht nur gesellschaftliche Ausgrenzungen, die seelisch belasten können. Die Körperfülle schränkt die Beweglichkeit ein, wodurch ein Teufelskreis entsteht. Neben diesen Einschränkungen in der Lebensqualität erhöht sich auch das Risiko für schwerwiegende und dauerhafte Erkrankungen. Dazu zählen: 

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck, Herzerkrankungen, Schlaganfall bei verstärktem Bauchfett 
  • Stoffwechselerkrankungen, wie Diabetes mellitus Typ 2 oder Gicht 
  • Schlafapnoe 
  • Knie- oder Hüftarthrosen 
  • Fettleber und Gallensteine
  • bestimmte Krebserkrankungen 

Vorbeugung von Adipositas

Mit einer gesunden Ernährung, regelmäßigen Mahlzeiten und ausreichender Bewegung kannst du selbst entscheidend das Adipositas-Risiko für dich oder auch deine Kinder minimieren. Liegt dein BMI bereits an der Schwelle zum Übergewicht, solltest du kontinuierlich deinen Taillenumfang messen und dich wiegen. 

Wie kann dir Doktor.de bei Adipositas helfen? 

Wenn du deinen BMI errechnet hast und feststellst, dass bei dir Übergewicht oder bereits Adipositas besteht, findest du bei den mit Doktor.de kooperierenden Ärztinnen und Mediziner erste Ansprechpartner:innen, die dich beraten. Zur weiterführenden Diagnostik und Behandlung wendest du dich an für Adipositas-Therapien ausgewiesene Allgemeinmedizinerinnen oder deinen Hausarzt. 

 

Quelleninformationen:

Dieser Text wurde von Mediziner:innen geprüft und entspricht medizinischen Leitlinien. 

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). 24.08.2022. Starkes Übergewicht (Adipositas). Gesundheitsinformation.de.

Dobmeier, J. 18.11.2021. Adipositas. Netdoktor.

Stiftung Gesundheitswissen. o.J. Adipositas. 

Letztes Update: 2022-11-07