Das runde Piktogramm mit einem mintgrünen Hintergrund zeigt eine Illustration eines menschlichen Oberkörpers. Hervorgehoben sind die Organe Pankreas, Leber und Galle.
Gallensteine

Gallensteine sind verklumpte, kirschkern- bis hühnereigroße Ablagerungen von Kristallen in der Gallenblase oder im Gallengang. Mindestens zehn Prozent der Erwachsenen haben einen oder mehrere Gallensteine, die jedoch in vielen Fällen keine Beschwerden verursachen. Zu den Symptomen von Gallensteinleiden gehören die sehr schmerzhaften Gallenkoliken. Symptomatische Gallensteine werden in erster Linie durch Entfernung der Gallenblase therapiert. 

Symptome von Gallensteinen

Gallensteine sind häufig, verursachen jedoch nur in etwa einem Viertel aller Fälle Symptome. Dazu gehören: 

  • Anfallsartig auftretende, mehr als 15 Minuten dauernde stechende Kolikschmerzen im rechten Oberbauch, die in den Rücken und in die rechte Schulter ausstrahlen können 
  • Dumpfer Druckschmerz im rechten Oberbauch 
  • Völlegefühl, Übelkeit, Erbrechen 
  • Gelbfärbung von Haut, Schleimhäuten und Augenweiß (Gelbsucht) 
  • Bräunlicher Urin 
  • Ungewöhnlich heller Stuhl 
  • Erhöhte Leberwerte  

Ursachen von Gallensteinen

Gallensteine entstehen durch ein Ungleichgewicht in der Zusammensetzung der Gallenflüssigkeit, das zur Bildung von Kristallen führt. Diese Kristalle können sich zusammenlagern und zum sogenannten Gallengrieß und später zu Millimeter bis mehrere Zentimeter großen Gallensteinen verklumpen. 

Die in der Leber produzierte Gallenflüssigkeit spielt eine wichtige Rolle bei der Fettverdauung. Überdies scheidet die Leber auf diesem Weg Cholesterin, den beim Abbau der roten Blutzellen entstehenden Farbstoff Bilirubin sowie Schwermetalle, Medikamente und ihre Stoffwechselprodukte aus. Die Gallenflüssigkeit fließt über den Gallengang in die Gallenblase, wird dort eingedickt, zwischengespeichert und schließlich in den Dünndarm abgegeben, wenn fettreiche Mahlzeiten verdaut werden müssen. Damit die hoch konzentrierte Gallenflüssigkeit flüssig bleibt, muss ihre Zusammensetzung genau abgestimmt sein. Ist das nicht der Fall, weil etwa der Anteil von Bilirubin oder Cholesterin erhöht ist, werden Kristalle aus der Flüssigkeit abgeschieden, die in der Folge zu Gallensteinen verklumpen können. Nach der Zusammensetzung der Steine werden Cholesterinsteine und Bilirubinsteine unterschieden. In Deutschland werden zu 90 Prozent Cholesterinsteine diagnostiziert. 

Beschwerden entstehen, wenn die Gallensteine die Wände der Gallengänge reizen beziehungsweise den Fluss der Gallenflüssigkeit blockieren. 

Behandlung von Gallensteinen

Das Bild zeigt mehrere kleinere und größere Gallensteine, die auf einer weißen Mullbinde liegen.
Gallensteine müssen nur dann therapiert werden, wenn sie starke Symptome verursachen. | © Yurii Sliusar

Gallensteine werden im Allgemeinen nur therapiert, wenn sie Symptome verursachen. Akute Gallenkoliken werden mit Schmerzmitteln und krampflösenden Medikamenten behandelt. Liegt außerdem eine Entzündung der Gallenblase vor, werden zusätzlich Antibiotika gegeben. Bei einer Gallenkolik solltest du nichts essen. Pfefferminz- oder Kamillentee und warme Wickel können dir Linderung verschaffen.  

Nach Abklingen der akuten Symptome stehen verschiedene Verfahren zur Entfernung der Gallensteine zur Verfügung.  

  • Therapie der Wahl bei Gallensteinleiden ist die chirurgische Entfernung der Gallenblase (Cholezystektomie), die heute meist minimalinvasiv durchgeführt wird. Nur auf diesem Wege lässt sich in etwa 98 Prozent der Fälle eine dauerhafte Beschwerdefreiheit erreichen.
  • Als konservative Therapiemöglichkeit steht die Auflösung von Cholesterinsteinen durch monatelange Einnahme des Medikaments Ursodeoxycholsäure zur Verfügung. Nach Therapieende besteht jedoch ein hohes Risiko für das Wiederauftreten der Steine. Sinnvoll kann diese Behandlung beim erstmaligen Auftreten von Gallenkoliken sein. Zeigen sich später erneut Symptome, wird die Entfernung der Gallenblase empfohlen.
  • Eine weitere Therapiemöglichkeit ist die Zertrümmerung der Steine durch Schallwellen. Bei der sogenannten extrakorporalen Stoßwellenlithotripsie wird in meist mehreren Sitzungen eine Sonde auf die Haut gesetzt, die gebündelte, sehr energiereiche Schallwellen aussendet. Das Risiko, dass sich erneut Gallensteine bilden, ist auch hier erheblich. Die medizinischen Leitlinien empfehlen diese Behandlung daher nicht. 

 

Risikofaktoren für Gallensteine

Wichtigste Risikofaktoren für die Bildung von Gallensteinen sind heute sogenannte Lifestyle-Faktoren: In erster Linie fettreiche Ernährung, Übergewicht und die damit assoziierten Stoffwechselstörungen sowie Bewegungsmangel. Darüber hinaus können auch bestimmte Erkrankungen eine Rolle spielen, oder es kann eine genetische Veranlagung für Störungen der Zusammensetzung der Gallenflüssigkeit vorliegen. Generell haben Frauen und ältere Menschen ein erhöhtes Risiko. 

Zusammenfassung der Risikofaktoren: 

  • Schwangerschaft und Einnahme hormoneller Verhütungsmittel 
  • Familiäre (genetische) Veranlagung 
  • Stoffwechsel- und Ernährungsfaktoren: Übergewicht, Diabetes, erhöhter Cholesterinspiegel, fettreiche Ernährung, chronische Verstopfung 
  • Bewegungsmangel 
  • Extreme, sehr fettreiche Diäten mit schneller Gewichtsabnahme 
  • Entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn) 
  • Operationen am Dünndarm (zum Beispiel im Zusammenhang mit Adipositaschirurgie, Morbus Crohn oder Magen-/Darmkrebs) 
  • Störungen der Nebenschilddrüsen 

Vorbeugung von Gallensteinen

Die wichtigsten Maßnahmen zur Vorbeugung von Gallensteinen sind regelmäßige Bewegung und eine ballaststoffreiche, gesunde Ernährung, die auf Normalisierung des Körpergewichts abzielt. Maßhalten beim Konsum von Alkohol wird ebenfalls empfohlen. Ergänzend können Vitamin C, Magnesium und pflanzliche Hausmittel (Curcuma, Artischockenblätter, Mariendistel, Boldoblätter, Löwenzahnwurzel und Schafgarbe als Tee oder Kapseln) den Gallenfluss verstärken. 

Bei hohem Gallensteinrisiko (zum Beispiel bei genetischer Veranlagung oder im Zusammenhang mit starker Gewichtsreduktion und/oder Adipositaschirurgie) kann eine (zeitweilige) medikamentöse Vorbeugung durch Einnahme von Ursodeoxycholsäure sinnvoll sein. 

Wie kann Doktor.de bei Gallensteinen helfen?

Mit einer akuten Gallenkolik solltest du am besten einen Arzt aufsuchen. Nachdem die Schmerzen abgeklungen sind, informieren unsere kooperierenden Mediziner:innen dich gern und umfassend, wie du weiteren Anfällen vorbeugen kannst und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt. 

 

Quelleninformationen:

Dieser Text wurde von Mediziner:innen geprüft und entspricht medizinischen Leitlinien. 

AWMF. 2018. Aktualisierte S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten(DGVS)und der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) zur Prävention, Diagnostik und Behandlung von Gallensteinen.

Deutsche Apotheker Zeitung. 20.03.2008. Gallenbeschwerden: Was Sie tun können.

Letztes Update: 2022-07-05