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Insulin

Insulin ist ein wichtiges körpereigenes Hormon, welches die Regulation der Konzentration des Blutzuckers reguliert. Dabei ist Insulin das einzige Hormon, welches den Blutzucker senken kann. Der „Gegenspieler” von Insulin ist Glukagon, dessen Aufgabe es ist, den Blutzuckerspiegel zu erhöhen. Ist die körpereigene Produktion von Insulin gestört, sprechen Mediziner:innen von Diabetes Typ-1 oder Typ-2. Ursprünglich wurde das Insulin für die Diabetesbehandlung aus der Bauchspeicheldrüse von Rindern und Schweinen gewonnen. Ab der 1980er Jahre wurde das tierische Insulin durch gentechnisches Humaninsulin und später Analoginsulin abgelöst. Mittlerweile müssen sich Diabetes Erkrankte das Insulin nicht mehr mit einer Insulinspritze spritzen, sondern verwenden spezielle Injektionsgeräte (Pens) oder Insulinpumpen.

Was ist Insulin und warum benötigt der Körper es?  

Das körpereigene Hormon Insulin, ist wichtig für den menschlichen Stoffwechsel, da es das einzige Hormon ist, welches blutzuckersenkend wirkt. Insulin hat die Aufgabe, dass die Glukose (Traubenzucker) aus dem Blut in die Zellen des Körpers transportiert wird. Dafür ist in der Bauchspeicheldrüse immer ein Insulinvorrat vorhanden, der normalerweise für drei Tage reicht und bei Bedarf schnell zur Verfügung stehen kann. 

Die Insulinausschüttung beginnt, wenn die Nahrung bei der Verdauung in ihre Einzelbestandteile Fett, Eiweiß und einzelne Kohlenhydrate zerlegt wird. Dabei werden Kohlenhydrate auch in Traubenzucker aufgespalten. Anschließend gelangt der Traubenzucker durch die Darmwand in das Blut und erhöht so den Blutzuckerwert. Es öffnet die Körperzellen, um die Glukose dort hineinzuschleusen. Vor allem öffnet Insulin die Zellen der Muskeln, der Leber, der Nieren und des Fettgewebes.  

Die Glukose, die die Körperzellen nicht sofort verbrauchen, wird als Glykogen in der Leber und in den Muskeln gespeichert. In der Leber wird die überschüssige Glukose zu Fett umgewandelt und kann so zu Übergewicht führen. Benötigt der Körper das gespeichert Glykogen, wird in den Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse Glukagon gebildet – Glukagon kann auch als Gegenspieler von Insulin bezeichnet werden, da es den Blutzuckerspiegel erhöht.  Glukagon wird freigesetzt, wenn der Blutzuckerspiegel zu tief absinkt. 

Das Zusammenspiel von Insulin und Glukagon trägt bei gesunden Menschen dazu bei, den Blutzuckerspiegel im Lot zu halten und zu hohe und zu tiefe Werte zu vermeiden.

Bei einigen Menschen ist jedoch die Produktion von Insulin gestört und unterscheiden Mediziner:innen  zwischen Typ-1-Diabetes (der Körper produziert kein Insulin mehr) und Typ-2-Diabetes (Körperfett und andere Faktoren machen die Zellrezeptoren unempfindlich für Insulin). Die Konsequenz: steigende Blutzuckerwerte.  

Ein erhöhter Blutzuckerspiegel, auch Hyperglykämie, genannt, kann zur Verdickung der Gefäßwände, Schädigung der Nerven, Haut, Netzhaut, Herz und Nieren führen kann. Ist der Blutzuckerspiegel zu gering, sind die Folgen für den Körper ähnlich verheerend: Hat der Körper keine Glukosereserven mehr zur Verfügung, greift er die Fettreserven an, was dazu führen kann, dass eine lebensbedrohliche Ketoazidose hervorgerufen wird, wenn nicht rechtzeitig Insulin gespritzt wird.  

Anwendung von Insulin bei Diabetes Typ 1 und Diabetes Typ 2 

Bei Patient:innen mit Diabetes mellitus Typ 1 produziert die Bauchspeicheldrüse kein Insulin mehr, was zu einem Mangel an Insulin führt. Das Verabreichen von Insulin, das in den meisten Fällen mit einer Insulin-Spritze oder einem Insulin-Pen oder vereinzelt auch durch eine Insulin-Pumpe erfolgt, ist bei Patienten mit Typ-1-Diabetes die zentrale Therapiekomponente. 

Bei Patient:innen mit Diabetes mellitus Typ 2 sind es die Körperzellen, die gegenüber Insulin eine verminderte Empfindlichkeit aufweisen, Medizinerinnen nennen dies auch Insulinresistenz. Sie kann beispielsweise dadurch entstehen, dass eine jahrelange Überproduktion von Insulin die produzierenden Zellen ermüden lässt. Auch wenn bei Typ 2 Diabetes zunächst immer eine Behandlung ohne Insulin im Vordergrund steht, zeigen Statistiken, dass die Zahl der Patienten, die auch hier letztlich eine Insulintherapie benötigen, deutlich ansteigt.  

Darreichungsformen von Insulin 

Ein Mann bereitet die Injektion mit seinem Insulinpen vor.
Die meisten Menschen mit Diabetes, die Insulin spritzen, verwenden für die Injektion einen Insulinpen, der mit einer Insulinpatrone befüllt wird, aus der auf Knopfdruck oder mithilfe eines Drehmechanismus eine bestimmte Menge Insulin abgegeben wird. | © imyskin

Diabetes Erkrankte haben verschiedene Möglichkeiten, Insulin einzunehmen.

  1. Bei einer subkutanen Injektion wird das Insulin in das Unterhautfettgewebe gespritzt, da so eine schrittweise und langsame Wirkung des Insulins erzielt werden kann. Hierzu nutzen die meisten einen Insulinpen, um das Insulin zu injizieren.
  2. Intravenös wird Insulin in der Regel nur bei einer starken Unterzuckerung gespritzt. Dabei bedeutet intravenös, dass das Insulin direkt in die Vene verabreicht wird. Im Gegensatz zur subkutanen Injektion, mit der eine schrittweise Wirkung des Insulins erreicht wird, wirkt intravenös gespritztes Insulin sofort.
  3. Intramuskulär bedeutet „in den Muskel“. Bei Menschen mit Diabetes treten intramuskuläre Injektionen vereinzelt aus Versehen auf, vor allem bei Injektionen am Oberarm.

Aktuell gibt es noch keine Möglichkeit, Insulin oral einzunehmen.

Nebenwirkungen von Insulin 

Generell ist Insulin gut verträglich, da es ein körpereigenes Hormon ist. Bei einigen Patient:innen kann es jedoch an der Injektionsstelle zu allergischen Reaktionen oder allgemeinen Hautreaktionen kommen. Diese Hautreaktionen werden jedoch in der Regel nicht vom Insulin, sondern durch die enthaltenen Konservierungsstoffe. Das verwendete Desinfektionsmittel kann in einigen Fällen ebenfalls zu Hautirritationen führen.  

Häufiger kommt es zu Fehlern beim Spritzen des Insulins, sodass sich Fettgewebewucherungen unter der Haut bilden können. Dadurch, dass die meisten Menschen, die Insulin benötigen, es immer an ihrer Lieblingsstelle injizieren, können sich dort leichter solche Wucherungen bilden. Die Konsequenz: Diese Knubbel sehen nicht nur unästhetisch aus, sondern das Insulin kann nicht wie vorgesehen wirken. Um diesen Wucherungen entgegenzuwirken, sollten sowohl Spritzstellen als auch Pen-Nadeln regelmäßig gewechselt werden.

Wechselwirkungen mit anderen Wirkstoffen

Einige andere Medikamente können die Wirkung des Insulins abschwächen, hierzu zählen unter anderem:  

  • Schilddrüsenhormone (zum Beispiel L-Thyroxin) 
  • Atypische Neuroleptika (zum Beispiel Clozapin, Olanzapin)  
  • Entwässernde Medikamente (zum Beispiel Furosemid)  
  • Somatropin  
  • Sympathomimetika (zum Beispiel Epinephrin, Salbutamol) und weitere)  

Weiterhin kann die Einnahme von Insulin und folgenden ausgewählten Medikamenten, die Wirkung des Insulins verstärken:  

  • ACE-Hemmer (zum Beispiel Ramipril, Lisinopril)  
  • Salicylate (zum Beispiel ASS)  
  • Sulfonamid-Antibiotika 
  • Antidepressiva (zum Beispiel mit dem Wirkstoff Fluoxetin)  

Betablocker, Lithiumsalze oder Clonidin oder Alkohol können die Wirkung des Insulins sowohl verstärken als auch abschwächen.  

Vor der Einnahme eines neuen Medikaments ist es immer wichtig, dass mit dem behandelnden Arzt, Ärztin sowie Apotheker:in die Einnahme besprochen wird, um mögliche Wechselwirkungen auszuschließen.  

Letztes Update: 2022-09-27