Das Piktogramm zeigt einen (weiblichen) Unterleib, sowie einen Teil der Oberschenkel. Die gezeichnete Person trägt eine senfgelbe, mit dunkleren Punkten verzierte, Unterhose. Das Piktogramm symbolisiert die Kategorie "Frauenheilkunde". Der Hintergrund ist mintgrün.
Dammriss

Der Damm liegt zwischen Scheide / Hoden und After; er besteht aus einem festen, aber gleichzeitig erheblich dehnbaren Gewebe, das – wie jedes andere Gewebe – bei erhöhter Beanspruchung verletzt werden kann. Am häufigsten tritt ein Dammriss im Zusammenhang mit einer Geburt auf.  

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Symptome des Dammriss

Die Symptome richten sich nach dem Schweregrad. Unmittelbar können in jedem Fall Schmerzen und Blutungen auftreten. Bei höheren Schweregraden oder nicht sofortiger Behandlung kann es zu Störungen und Komplikationen kommen. Infektionen und Fisteln gehören ebenso dazu wie Narbenbildungen, die für Beschwerden bei Wasserlassen, Stuhlgang und Sex führen können. In besonders schweren Fällen kann es sogar sinnvoll sein, bei der nächsten Schwangerschaft eine normale Geburt zu vermeiden und einen Kaiserschnitt durchzuführen.  

Ursachen des Dammriss

Normalerweise kommt es im Geburtsverlauf zu einer langsamen Dehnung des Damms. Wenn diese nicht erfolgen kann, weil sich die Geburt zu schnell entwickelt oder wenn sie künstlich beschleunigt werden muss, kann der Damm leichter einreißen. Das geschieht oft bei Notlagen des Kindes, wenn operative vaginale Eingriffe mit zum Beispiel Benutzung von Zangen oder Saugglocken vorgenommen werden, aber auch allgemein bei jeder Technik zur Beschleunigung wie Druck von oben (Kristeller-Handgriff). Ebenso kann durch Veranlagung bedingtes, sehr straffes Gewebe eine Ursache für den Dammriss sein, genauso wie ein großer Kopfumfang des Kindes. 

Behandlung des Dammriss

  • Jeder Dammriss sollte sofort genäht werden; bei Schweregrad I und II bedeutet das einen kleinen Eingriff in Lokalanästhesie; bei Schweregrad III und IV ist der Eingriff größer, weil der Schließmuskel des Afters und der Darm als erstes versorgt werden müssen.  
  • In den ersten zwei Wochen ist es besonders wichtig, für weichen Stuhl zu sorgen; dazu gehört zunächst eine angepasste Ernährung mit genügend Ballaststoffen und Flüssigkeit, es können aber auch abführende Mittel nötig werden. 
  • Schmerzmittel können hilfreich sein. Eine routinemäßige Antibiotikagabe ist meist nicht nötig, kann aber in bestimmten Fällen erforderlich werden. 
  • Lokale Hygiene ist in dieser Zeit wesentlich. Lauwarme Sitzbäder mit Kamille-Zusatz können hilfreich sein. 
  • Sitzhaltungen mit enger Beinhaltung entlasten den Damm. Sitzhaltungen wie zum Beispiel der Schneidersitz oder auch sportliche Übungen sind zunächst zu vermeiden.  
  • Wenn die Wunde verheilt ist, kann zur Pflege der Narbe eine lokale Eigenbehandlung mit Salben oder Massagen durchgeführt werden. Das Weichhalten der Narbe kann sich auch günstig auf Beschwerden, beispielsweise beim Sex, auswirken. 
  • Ein bedarfsgerechtes Beckenbodentraining kann wesentlich zur Vermeidung von Inkontinenzen (unwillkürlicher Abgang von Stuhl oder Urin) beitragen.  

Risikofaktoren eines Dammriss

Ein Dammriss kann grundsätzlich bei jeder spontanen Entbindung auftreten. Ein höheres Risiko besteht bei  

  • Erstgebärenden 
  • hohem Geburtsgewicht des Kindes 
  • Missverhältnis zwischen dem Scheidenausgang und der Kopfgröße des Kindes 
  • Entbindungen mit technischen Hilfsmitteln wie Saugglocke oder Zange 
  • jeder Beschleunigung des Geburtsvorgangs aufgrund einer Notlage 

Da bei besonders straffem Dammgewebe bei Erstgebärenden eher Dammrisse auftreten, können Damm-Massagen vor der Geburt hilfreich sein. 

Noch vor nicht allzu langer Zeit was es übliche Praxis, bei vielen Geburten einen Dammschnitt durchzuführen. Man ging davon aus, dass durch den kontrollierten Schnitt die Überlastung des Dammgewebes mit folgendem Festigkeitsverlust vermieden werden kann. Das hat sich so allgemein nicht bestätigt: Risse können nach Schnitt sogar häufiger vorkommen, außerdem können Risse besser und schneller heilen als Schnitte. Heute wird der Dammschnitt daher nur individuell eingesetzt, meist bei plötzlich eintretenden Notlagen des Kindes unter der Geburt, aber auch zum Beispiel bei Beckenendlage des Kindes und bei Frühgeburten. Ein in der Mitte erfolgter Dammschnitt gehört zu den Risikofaktoren für einen Dammriss bei späteren Geburten. 

Prognose und Verlauf

Die Risse sind meist klein und heilen rasch ab; sie können aber auch tiefer gehen und dann sogar zu länger anhaltenden Komplikationen führen. Regelmäßige gynäkologische Untersuchungen nach der Geburt sind erforderlich, wobei besonders nach schwereren Dammrissen auch Untersuchungen durch Proktologen (Enddarmspezialisten) erforderlich werden können. 

Sex nach der Geburt ist generell möglich, wenn der Wochenfluss beendet ist und somit bei verschlossenem Muttermund eine erhöhte Infektionsgefahr nicht mehr besteht. Nach einem Dammriss leichteren Schweregrades bestehen keine zusätzlichen Einschränkungen: bei gut verheilter, schmerzfreier Wunde gibt es keine grundsätzlichen Argumente gegen den Geschlechtsverkehr. Anders ist das bei Schweregrad III und IV. Hier sollte bei der frauenärztlichen Nachuntersuchung gezielt beraten werden. Wesentlich in jedem Falle ist eine gute Kommunikation mit dem Partner. 

Beratung bei einem Dammriss durch Doktor.de

Wenn du Fragen hast oder einen Dammriss bei der Geburt erlebt hast, der mit Beschwerden einhergeht, kannst du dich bei doktor.de beraten lassen. Im Anschluss daran kannst du die vielleicht nötigen Untersuchungen und Behandlungen bei Ärzten deiner Wahl durchführen lassen. 

 

Quelleninformationen:

Dieser Text wurde von Mediziner:innen geprüft und entspricht medizinischen Leitlinien. 

Aasheim V, Nilsen ABV, Reinar LM, Lukasse M. 13.06.2017. Maßnahmen während der Austreibungsphase, um Dammverletzungen zu reduzieren. Cochrane. 

Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF). 12.2020. Management von Dammrissen III. und IV. Grades nach vaginaler Geburt.

Letztes Update: 2023-01-09