Das Piktogramm zeigt einen menschlichen Oberkörper, auf dem drei rote Punkte zu sehen sind. Diese stehen stellvertretend für einen Hautausschlag. Der Oberkörper ist gezeichnet. Das Piktogramm ist rund und der Hintergrund in einem Mintton.
Hyperhidrose 

Hyperhidrose besteht, wenn man übermäßig schwitzt, ohne dass natürliche äußere Faktoren wie Hitze oder Anstrengung dies auslösen. Die Medizin teilt diese Erkrankung, die die Lebensqualität und Psyche der betroffenen Menschen sehr stark belasten kann, in zwei Krankheitsbilder ein. Eine primäre Hyperhidrose besteht, wenn keine Ursachen zu ergründen sind, die das krankhafte Schwitzen hervorrufen. Bei der sekundären Hyperhidrose reagiert der Körper meist auf Krankheiten oder die Einnahme von Medikamenten. Bei beiden Erscheinungsformen der Hyperhidrose lässt sich übermäßiges Schwitzen zielgerichtet behandeln. 

Symptome von Hyperhidrose

Das Bild zeigt eine Frau in einem gelben T-Shirt, die einen großen Schweißfleck unter der Achsel hat.
Übermäßiges Schwitzen kann für Betroffene auch zur psychischen Belastung werden: Sie haben angst, dass andere sie für zum Beispiel ungepflegt halten.| © spukkato

Schwitzen dient normalerweise der Regulierung der Körpertemperatur. Symptome, die auf eine Hyperhidrose deuten sind: 

  • übermäßiges Schwitzen an einzelnen Körperstellen oder am ganzen Körper und dies ohne Einfluss von Hitze, scharfem Essen oder körperlicher Belastung 

Zu den Begleitsymptomen einer sekundären Hyperhidrose zählen: 

  • Nachtschweiß 
  • Fieber 
  • Kurzatmigkeit 
  • Leistungsschwäche 

Ursachen von Hyperhidrose

Menschen, die übermäßiges Schwitzen plagt, haben keinesfalls mehr oder größere Schweißdrüsen als andere. Wie Experten heute wissen, löst das vegetative Nervensystem eine Überstimulation der Schweißdrüsen aus. Die Ursache für diesen Reiz lässt zwischen einer primären und sekundären Hyperhidrose unterscheiden. 

Primäre Hyperhidrose 

Diese Erkrankung wird auch als idiopathische oder essenzielle Hyperhidrose bezeichnet. Für sie lassen sich keine Grunderkrankungen oder äußere Einflüsse ausmachen. Betroffen sind oft nur bestimmte Körperstellen wie Achseln, Gesicht, Hände und Füße sowie im Schritt. Dann spricht man von fokaler Hyperhidrose. Mit speziellen Tests lassen sich das Areal genauer bestimmen und die Schweißmenge ermitteln. Schwitzt man am ganzen Körper, liegt eine generalisierte Hyperhidrose vor. Je nach Schweißproduktion teilt der behandelnde Arzt oder die Hausärztin die Erkrankung in Schweregrade von 1 bis 3 ein. Eventuell erfolgen Blutuntersuchungen und Überweisungen zu Spezialisten, um herauszufinden, ob übermäßiges Schwitzen mit Grunderkrankungen zusammenhängt. 

Sekundäre Hyperhidrose 

Hier verursachen bestimmte Krankheiten und Medikamente die übermäßige Schweißproduktion. Medikamente, die die sekundäre Form der Erkrankung hervorrufen können, sind: 

  • Betablocker 
  • Schilddrüsenhormone
  • Antidepressiva 
  • Kortison-Präparate 

Zu den krankheitsbedingten Ursachen zählen: 

  • Infektionskrankheiten  
  • Schilddrüsenerkrankungen
  • Herzerkrankungen 
  • Tumorerkrankungen 
  • Angsterkrankung 

Übermäßiges Schwitzen ohne erkennbare äußere Ursachen kann Frauen auch in ihren Wechseljahren oder während der Schwangerschaft beeinträchtigen. 

Behandlung von Hyperhidrose

Bei der sekundären Hyperhidrose setzt die Behandlung bei der sie auslösenden Grunderkrankung und den verabreichten Medikamenten an. Wenn bei dir eine primäre Hyperhidrose besteht, kann dir heute ein breites Spektrum an effektiven Behandlungswegen helfen. Die Möglichkeiten reichen von speziellen Deodorants und Cremes über Medikamente bis hin zu operativen Eingriffen. Übermäßiges Schwitzen kannst du zudem selbst mit einfachen und natürlichen Hausmitteln lindern, wie etwa Tees und Cremes aus Salbei oder Fußbäder mit Apfelessig. 

Primäre Hyperhidrose – Therapien

Antiperspiranzien 

Dies sind spezielle Deodorants und Cremes, die sich für übermäßiges Schwitzen in den Achseln an Händen und bei Schweißfüßen eignen. Ihre Aluminiumsalze schließen die Schweißdrüsen vorübergehend, sodass sich die Schweißmenge mindert. Der Verdacht, dass Aluminiumsalz Krebs auslösen kann, hat sich übrigens in der aktuellen Forschung nicht bestätigt. 

Leitungswasser-Iontophorese 

Diese Therapie konzentriert sich auf Hände und Füße, die mehrmals in der Woche für 20 bis 30 Minuten in Stromwasser getaucht werden. Du wirst geschult, um dich zu Hause auch selbstständig mit dem erforderlichen medizinischen Gerät behandeln zu können. Wichtig ist die konsequente und andauernde Behandlung. 

Injektionstherapie mit Botulinumtoxin A 

Das Nervengift wird in erster Linie dann gespritzt, wenn eine punktuelle Behandlung etwa mit einem Antiperspirant-Deo nicht ausreicht. Die Injektionstherapie gilt als die wirksamste Methode und ist zur Behandlung der Hyperhidrose an den Achseln zugelassen. Dazu wird das Nervengift an 15 bis 20 speziellen Punkten in die Achseln gespritzt. Botulinumtoxin A blockiert für eine gewisse Zeit Nervenfasern, die an der Schweißproduktion beteiligt sind. 

Radiofrequenz, Mikrowellen, Ultraschall 

Diese Behandlungsansätze unter lokaler Betäubung zielen darauf ab, die Schweißdrüsen im Achselbereich mittels Wärme zu schädigen, sodass sie weniger Schweiß absondern. 

Chirurgische Behandlung in schweren Fällen  

Bei Hyperhidrose-Operationen unter den Achseln wählt man heute seltener die komplette Schweißdrüsenentfernung, sondern greift auf schonendere Kürettage-Methoden zurück. Das gezielte Abtragen der unter der Haut gelegenen Schweißdrüsenknäuel mit einem scharfen Löffel lässt sich zudem mit Laser- und Absaugverfahren unterstützen. 

Die endoskopische thorakale Sympathektomie (ETS) greift behutsam bei Hyperhidrose an Händen, im Gesicht und an den Achseln ein. Bei diesem neurochirurgischen Eingriff wird ein bestimmter Nervenstrang des sympathischen Nervensystems im Brustkorb unterbrochen. Dies soll die Stimulation der Schweißdrüsen verringern.  

Systemische Therapie mit Anticholinergika 

Dies sind Medikamente, die die Schweißproduktion im gesamten Körper mindern, indem sie das Nervensystem entspannen. Wegen ihrer zum Teil erheblichen Nebenwirkungen wie Sehstörungen und Herzrasen werden sie indes nicht zur dauerhaften, sondern eher zeitweise ergänzenden Anwendung verschrieben.  

Du solltest dich vorab bei deiner Krankenkasse oder Zusatzversicherung informieren, welche Therapiekosten sie übernimmt. 

Risikofaktoren von Hyperhidrose

Bei 30 bis 65 Prozent der Betroffenen besteht laut Fachkreisen eine familiäre Veranlagung für krankhaftes, übermäßiges Schwitzen. Um das Risiko für Entstehung von Hyperhidrose zu mindern, kannst du versuchen, folgende Risikofaktoren zu vermeiden: 

  • ungesunder Lebensstil 
  • Übergewicht
  • Stress
  • vermehrter Alkoholkonsum  

Wie kann Doktor.de bei Hyperhidrose helfen?

Wenn du den Verdacht hast, dass du an Hyperhidrose leidest, können dich die mit Doktor.de kooperierenden Ärztinnen und Mediziner unterstützen. Sie beurteilen deine Symptome für übermäßiges Schwitzen und beraten dich. Zur weiterführenden Diagnostik und Behandlung der Hyperhidrose suchst du eine Fachärztin oder einen Facharzt auf. 

 

Quelleninformationen:

Dieser Text wurde von Mediziner:innen geprüft und entspricht medizinischen Leitlinien. 

Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG): S1-Leitlinie „Definition und Therapie der primären Hyperhidrose“ (Stand: 15.03.2021)

Schlereth, Tanja.: „Hyperhidrose – Ursachen und Therapie von übermäßigem Schwitzen“, DOI: 10.3238/arztebl.2009.0032 

Letztes Update: 2022-08-15